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„Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche …“

Erinnern Sie sich? Eine Anleitung aus den Kindertagen des PCs: „Indem Sie die Druckformatvorlage des Dokuments mit der Druckformatvorlage der Druckformatvorlage verbinden, können Sie die Druckformatvorlage der Dokumentenvorlage aktualisieren. Wenn Sie die Druckformatvorlage eines Dokuments mit der Druckformatvorlage einer Dokumentenvorlage verbinden, ersetzen die Druckformatdefinitionen des Dokuments die gleichnamigen Druckformatdefinitionen der Dokumentenvorlage …“

Dies ist ein Auszug aus dem Handbuch „Microsoft Word für Windows 2.0“. Lang, lang ist’s her. Und lang, lang ist der Text. Und sehr motiviert muss man sein, um dem Ganzen länger als zwei Zeilen zu folgen, oder? Trotzdem: Alles, was hier geschrieben steht, ist sachlich gesehen richtig. Wenn Sie damals in Word Ihre Druckformatvorlage einrichten wollten, konnten Sie guten Gewissens diesen Anweisungen folgen.

Wenn Sie sie denn verstanden hatten.

Wir lernen: Sachliche Korrektheit hat nicht automatisch Verständlichkeit zur Folge. Das ist heute nicht anders als vor 30 Jahren, und es ist vor allem für die Technikerinnen und Wissenschaftler unter Ihnen von Bedeutung. Für Sie möchte ich hier gleich hinzufügen, dass Verständlichkeit die Basis einer jeden erfolgreichen Kommunikation ist – gleich, ob sie schriftlich oder mündlich vonstattengeht.

Klingt banal, aber ich betone es, weil wir in unseren Studios die Erfahrung machen, dass unsere Trainees diesen Aspekt oft übersehen. Und unterschätzen. Da ist die Verzweiflung groß, dass das letzte Interview oder die letzte Präsentation wieder nicht die überzeugende Wirkung hatten, die eigentlich wünschenswert gewesen wäre. Und dann rekapitulieren wir im Training den Auftritt und stellen fest: Die Absicht ist gut und schön, aber niemand versteht ein Wort – siehe oben.

Ein Experte der Verständlichkeit

In diesem Zusammenhang ist das Interview interessant, das Curt Schmidt vergangene Woche dem STANDARD gegeben hat. Der Mann ist seines Zeichens technischer Redakteur, das bedeutet, er beschreibt Produkte in verständlicher Sprache und macht sie auf diese Weise den Konsumentinnen und Nutzern zugänglich. Er ist also für die Basis der Kommunikation zuständig und leistet damit genau das, was auch Sie im Interview mit Ihren Inhalten leisten müssen.

Und das sei gleich dazu erwähnt: Diese Arbeit ist ein langer Prozess. Ein technischer Redakteur analysiert sowohl das Produkt, um es selbst zu verstehen, als auch die Zielgruppe, um die Menschen zu verstehen, die das Produkt verwenden. Egal ob Uni-Professorin oder Schul-Abbrecher – alle müssen mit seinen Darstellungen zurechtkommen.

Gleich nach den ersten Entwürfen finden Tests statt, um festzustellen, ob er sich auf dem richtigen Weg befindet. Die Reaktion des Publikums ist also ausschlaggebend dafür, wie die Redaktion der Texte am Ende ausfällt. Das Ziel ist immer, dass an die Stelle der ausufernden Beschreibungen das Wesentliche der Information zur Sprache kommt.

Der Konstrukteur ist in seine Technik verliebt und möchte den Kunden alles darüber erzählen. Denen ist seine Liebe aber wurscht.


Das ist der wichtigste Tipp, den Sie von Curt Schmidt und seinem Interview mitnehmen können. Stellen Sie sich immer die entscheidende Frage: Brauchen der Nutzer oder die Kundin in ihrer Situation die Information X wirklich? Wenn nein: Streichen Sie sie raus, und zwar ersatzlos.

Das ist natürlich Arbeit, und zwar umso mehr, je komplexer und komplizierter Ihre Inhalte sind. Aber diese Investition lohnt sich, denn dafür bekommen Sie Verständnis und Einverständnis Ihres Publikums zurück.

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