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Pressekonferenz: Vom beschädigten Vertrauen

Wie man es nicht machen sollte

Eigentlich hätte man das voraussehen können. Wenn man Boris Johnson zum Außenminister macht, sind die kritischen Fragen der Journalisten vorprogrammiert. Auf der einen Seite ein Amt, das Diplomatie und Feingefühl verlangt, auf der anderen Seite ein Mann, der in der jüngeren und älteren Vergangenheit vor allem durch Beleidigungen und Lügen aufgefallen ist.

Aber da diese Personalie nun einmal Fakt ist, stellte sich dem guten Boris Johnson bei seiner ersten Pressekonferenz, die er gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen John Kerry in London gab, die dringende Frage: Wie kann ich zerbrochenes Vertrauen wieder gutmachen? Wie antworte ich auf Fragen wie diese: „Sie haben den Präsidenten Barack Obama beschuldigt, aufgrund seiner teilweisen kenianischen Abstammung eine Abneigung gegen das britische Empire zu haben. Sie haben Hillary Clinton als ‚sadistische Krankenschwester in einem Irrenhaus‘ bezeichnet. Wollen Sie diese Aussagen nun zurücknehmen? Oder wollen Sie sie in Ihren neuen Job mitnehmen als eine Art Gradmesser der Diplomatie, die Sie an den Tag legen werden?“

Nun haben die Fälle, die uns im Training begegnen, mit Beleidigungen und Lügen nichts zu tun – trotzdem ist niemand grundsätzlich davor gefeit, das Vertrauen seines Publikums zu verspielen. Fehler können passieren. Sogar mutwillige Verletzungen, die einem hinterher leidtun, können passieren. Was also tun? Wie sich verhalten, wenn man im Kreuzfeuer der journalistischen Kritik steckt?

Ich zeige Ihnen hier einen Ausschnitt aus der Pressekonferenz von Boris Johnson, damit Sie sehen können, wie man es genau nicht macht:


Frei nach Boris Johnson fasse ich Ihnen hier kurz zusammen, was Sie in der Situation eines Vertrauensverlustes vor Presseleuten auf keinen Fall tun sollten:

  • Dem Kollegen oder der Kollegin den Vortritt in der Beantwortung der Frage lassen, selbst wenn Sie es wirklich höflich meinen. Sie sind gefragt, und Sie antworten.
  • Den Vorbehalt nicht ernst nehmen: „Was wir jetzt vorhaben, nämlich die Probleme x, y und z, sind viel wichtiger und interessanter …“ Das mag ja stimmen, aber solange der Vorbehalt gegen Sie nicht ausgeräumt ist, wird das Publikum Ihre interessanten Punkte nicht ernst nehmen.
  • Ausflüchte finden, um nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu müssen: „Es würde zu lange dauern, mich zu entschuldigen …“. Alles, was fadenscheinig klingt, wirkt im Grunde wie ein Schuldeingeständnis.
  • Die Journalistinnen und Journalisten für dumm erklären; ihnen vorwerfen, dass sie Ihre Aussagen in der Vergangenheit falsch gedeutet haben, und dass sie bloß uralte Leichen exhumieren. Auch wenn Vorwürfe Sie stören: Medien sind die Vertreter Ihres Publikums; wenn Sie sie angreifen, greifen Sie damit gleichzeitig Ihr Publikum an.

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