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Einfach heißt nicht vereinfacht

Vom richtigen Mittelweg zwischen "zu komplex" und "zu einfach"

Wenn Sie Interviews geben, ist Verständlichkeit eine Grundvoraussetzung dafür, dass Sie zum Publikum Nähe aufbauen können; auch dafür, dass Menschen überhaupt Vertrauen zu Ihren Worten aufbauen – das war vor gar nicht langer Zeit Thema hier im Blog. In der Tat: Viele Interviews, viele Vorträge, viele Texte, die nicht für Expertinnen und Experten, sondern für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmt sind, versteht immer noch kein Mensch.

Verständlichkeit wird von vielen Kommunikationsabteilungen leider immer noch oft stiefmütterlich behandelt, aber unsere Erfahrung aus dem Medientraining sagt: Dahinter steckt eine Sorge, die im Grunde nachvollziehbar ist. Nämlich die, dass Inhalte, wenn man sie einfach darstellt, vereinfacht und damit verraten werden.

Und das wollen wir natürlich nicht – weder, dass Sie sich Sorgen machen, noch, dass Sie Ihre Inhalte verraten.

Heute möchte ich mit Ihnen kurz den Spieß umdrehen. Wir sehen uns eine Sprache an, die bewusst und mit sinnvoller Absicht Inhalte vereinfacht – ich meine die sogenannte „Leichte Sprache“. Lesen Sie zum Beispiel hier einen Artikel der AUGSBURGER ALLGEMEINEN über die Waldbrände, die heuer im Juni in Portugal gewütet haben. Dasselbe Thema finden Sie hier im STANDARD – nur dort eben in einem „gewöhnlichen“ Zeitungsartikel.

(Der Hintergrund: Die „Leichte Sprache“ wurde als Alternative zur Standardsprache entwickelt, nachdem 2006 in der UNO der Grundsatz der Barrierefreiheit festgelegt worden war. Sie soll jenen Menschen das Verständnis von Inhalten erleichtern, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz der deutschen Sprache verfügen. Und übrigens: Wenn das Pendel in die andere Richtung ausschlägt, sprechen wir von „Fachsprache“ oder, in negativer Bedeutung, von „elitärer Sprache“.)

Von der Vereinfachung zur Einfachheit

Nun stellen Sie sich vor, sie würden zwei verschiedene Vorträge zum Thema „Waldbrände in Portugal“ erleben – der eine wäre in „Leichter Sprache“ und der andere in Standardsprache vorgetragen. Ich denke, Sie stimmen mit mir überein: In der ersten Version würden Sie sich nicht ernstgenommen fühlen, der Inhalt wäre verraten. Logisch, die Sprache ist ja auch nicht für Ihresgleichen gemacht.

So weit, so klar – aber wie vermeiden wir nun die Vereinfachung? Was ist der Unterschied zwischen den beiden Versionen?

Im Medientraining sprechen wir regelmäßig vom Kriterium der Detailtiefe, also: Wie viele Einzelinformationen stecken im Ganzen? Zum Beispiel: Wo brennt es genau? Wann genau ist das Feuer ausgebrochen? Wie viele Tote gibt es genau, wie viele Verletzte? Was war die Brand-Ursache? Hinter all diesen (und noch viel mehr) Fragen stecken Zahlen, Daten, Fakten, Informationen, Vermutungen, Einschätzungen, …, die das Thema mit Details anreichern.

Zu viele Details machen die Darstellung kompliziert und unverständlich, man sagt auch: elitär. Zu wenige Details vereinfachen und verraten das Thema. Wie so oft im Leben geht es auch hier um die goldene Mitte, in der wir statt Vereinfachung die Einfachheit finden.

Aber wie gelangen Sie zur goldenen Mitte? – Unsere Erfahrung sagt: Am besten mit der Übertreibung. Stellen Sie Ihr Thema in der Vorbereitung zunächst in der „Leichten Sprache“ dar, übertreiben Sie ruhig – und reichern Sie diese Darstellung dann so lange mit Details an, bis Sie das Gefühl haben, Ihrem Thema gerecht zu werden.

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