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Wortbruch im TV-Interview – und dann?

Leere Versprechen sind nicht nur für Kinder enttäuschend

„Am Sonntag lassen wir Drachen steigen – versprochen!“ Wahrscheinlich gibt es für ein kleines Kind keine größere Verletzung, als wenn die Eltern ihm schöne Dinge versprechen, um dann, vielleicht sogar im letzten Moment, einen Rückzieher zu machen. Die ganze Vorfreude ist dahin, die Enttäuschung groß. Und wenn dies öfter passiert, ist das Vertrauen grundsätzlich beschädigt.

Eine ähnliche Erfahrung machten in dieser Woche die Wählerinnen und Wähler der SPÖ: Im Burgenland soll es eine Koalition mit der FPÖ geben, obwohl ein SP-Parteitagsbeschluss dies „auf allen politischen Ebenen“ ausgeschlossen hat. Die SPÖ hat ein Versprechen gebrochen, die „Kinder“ sind enttäuscht und beschweren sich lautstark über ihr Sprachrohr, die Medien.

Andererseits: Manchmal kann es triftige Gründe geben, ein Versprechen zu brechen. Ein „Schwur“ ist eine starke, verbindliche Willensäußerung, aber es wäre für beide Seiten vermessen, auf immer und ewig seine Einhaltung zu fordern. Kein Mensch der Welt kann das leisten.

An diesem Punkt wird es auch für Sie interessant: Was passiert, wenn Sie aus triftigen Gründen gezwungen sind, Ihrer Kundschaft gegenüber ein wichtiges Wort zu brechen? Was tun im TV-Interview?

Zunächst einmal: Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Sie gerade dabei sind, Ihr Publikum zu verletzen. Das Schlechteste, was Sie in einer solchen Situation tun können, ist, auf Ihrer Ehre zu beharren, also zum Beispiel wie Bundeskanzler Faymann gebetsmühlenartig zu wiederholen, das Burgenland sei ein Spezialfall, und die Koalitionsverweigerung im Bund bleibe aber ganz sicher sicher aufrecht. Sicher.

Nicht gut wäre auch, die Verletzung schönzureden oder zu verharmlosen wie zum Beispiel Josef Cap, der in der Diskussionssendung IM ZENTRUM meinte, er verstehe die Aufregung nicht, weil die SPÖ mit der FPÖ im Parlament ohnehin jeden Tag zusammenarbeitet. Ja eh. Aber das ist nicht das Thema.

Thema ist: Sie haben ein Wort gebrochen, Punkt. Also müssen Sie auch dazu stehen. Der erste Schritt ist also, dies einzubekennen und anzukündigen, dass in weiterer Zukunft einiges wieder gutgemacht werden soll, wie Rudolf Hundstorfer das gestern in der ZIB 2 getan hat.

Und dann wundert es mich sehr, dass seit einigen Tagen im TV-Interview niemand darauf zu sprechen kommt, welche triftigen Gründe es für den Wortbruch gegeben haben mochte, und damit meine ich jetzt: inhaltliche Gründe. Warum soll diese Koalition für die Wählerschaft im Burgenland gut sein?

In der SP-Präsidiumssitzung, die gestern stattfand, soll Hans Niessl ausführlich über seine Beweggründe referiert haben – aber diese Geschichte wird in der Öffentlichkeit nie erzählt. Auf diese Weise wird sich die SPÖ nicht vom Vorwurf befreien können, bei dieser Koalition gehe es ihr um den Machterhalt um jeden Preis.

Also: Verletzung anerkennen – Beweggründe darstellen – den guten Willen für das Publikum zu erkennen geben. Das wäre die Devise.

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