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TV-Interview:
Konzentration bis zum Schluss

Botschaften-Treue ist oft eine Sache der Geduld

Noch-Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter wird in den letzten Wochen von Medien oft gefragt, ob er denn gerne in der neuen Regierung vertreten wäre. Seine Antworten: ausweichend. Das steht jetzt nicht zur Debatte. Ich habe meinen Job gerne gemacht. Daraus kann man irgendwie folgern: Eigentlich würde er gerne „ja“ sagen. Nun hat er in der ZIB 2 vergangene Woche ein Interview gegeben, das so missglückt war, dass unter dem Strich die gegenteilige Botschaft herauskam.

Das ist interessant, weil es aus einer Ungeduld über die unangenehmen Fragen heraus passierte. Wenn Sie oft Interviews geben, kennen Sie das sicher: Man spürt den Ärger über das zudringliche, lästige Verhalten der Fragestellenden in sich aufsteigen – und schon verliert man leicht die Kontrolle.

Was ist also passiert? – Rupprechter hatte bei dem Interview zwei unangenehme Themen zu behandeln: die österreichische Klimapolitik und den Umzug des Umweltbundesamtes nach Klosterneuburg mit einer Belegschaft von immerhin 500 Personen. Ersteres ist unangenehm, weil Österreich im Klimaschutz ein notorischer Hinterbänkler ist, Zweiteres, weil der anvisierte Standort vor dem Hintergrund, Bundesämter in ländliche Gebiete verlegen zu wollen, von vorneherein ein wenig unglaubwürdig wirkt. Das Interview mit Armin Wolf dauerte in der Langform 12 Minuten, aber richtig skurril wurde es ganz zum Schluss.

Armin Wolf: Die 13 Standortangebote der Stadt Wien (die u. a. für die Errichtung des neuen Umweltbundesamtes eingereicht wurden, Anm.) haben Sie nicht beeindruckt?
Andrä Rupprechter: Ich habe 13 Standorte angeboten bekommen, aber kein Angebot der Mitfinanzierung, damit kann ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen.
Armin Wolf: Also wenn von Wien noch ein finanzielles Angebot kommt, dann reden Sie noch einmal drüber?
Andrä Rupprechter: Wenn.
Armin Wolf: Wie geht der Satz weiter?
Andrä Rupprechter: Das war’s für mich jetzt … wenn … das können Sie dann entsprechend fortschreiben.
Armin Wolf: Herr Umweltminister, vielen Dank für das Gespräch.

Leider kann ich die Anmutung des Unbehagens, die die letzten Zeilen des Interviewpartners begleitete, hier schriftlich nicht wiedergeben. Jedenfalls war dieses wesentlich daran beteiligt, dass das Interview einen zweifelhaften Eindruck hinterließ. Was von dem Interview übrigblieb, war letztlich der Satz: „Das war’s für mich jetzt.“ Die nähere Zukunft wird zeigen, ob das prophetisch verstanden werden kann.

Aber das Unbehagen ist für Sie gleichzeitig auch der Schlüssel zur Lösung: Ein TV-Interview ist etwas, das Sie niemals persönlich nehmen sollten. Der Job des Herrn Wolf ist es, unangenehme Fragen zu stellen. Ihr Job ist es, Ihre Position zu untermauern und dabei freundlich und verbindlich zu bleiben. Egal wie lange es dauert und wie unangenehm es ist: Nehmen Sie ein Interview wie einen Job, den Sie ganz unromantisch zum Ziel bringen müssen – dies ist unserer Erfahrung nach ein wichtiger Rettungsring, der Sie bei hohem Seegang über Wasser hält.

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