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Printinterview: Zurückrudern gilt nicht (mehr)

Am Rande der Ski-WM, die dieser Tage im schwedischen Aare stattfindet, gab Gianfranco Kasper dem ZÜRICHER TAGESANZEIGER ein Interview, in dem es unter anderem um künftige Austragungsstätten der Olympischen Spiele ging, sowie um die Frage, inwiefern der Klimawandel den Skisport beeinträchtigen wird.

Zwei Statements in diesem Interview sind der Öffentlichkeit seither besonders aufgestoßen: „Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.“ Und: „Vorläufig ist kein Beweis (für die Klimaerwärmung, Anm.) da. Wir haben noch Schnee, und zum Teil sogar sehr viel.“

Sie können sich vorstellen, dass die Verwunderung des Publikums einigermaßen groß war. „Einige Aussagen haben mich regelrecht schockiert.“, sagte der Schweizer Rennläufer Daniel Yule, der gerade für einen Posten als Athletensprecher der FIS kandidiert. "Bei FIS-Präsident Kasper ist der Name Programm“, titelte nicht unlustig der TAGESANZEIGER selbst. Als „Weltmeister der Fettnäpfchen-Treter“ bezeichnete ihn der Kommentar der Zeitung DIE PRESSE. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der medialen Reaktionen der letzten Tage.

Aber wenn es nach Gianfranco Kasper selbst geht, dann wurden seine Aussagen vom TAGESANZEIGER verfälscht. Am Samstag gab er der ARD ein Interview, in dem er seine Sätze dementierte und zurechtrückte. Die ARD machte sich sogar die Mühe einer Gegenüberstellung: Die vom TAGESANZEIGER veröffentlichten Statements stehen da in einer Tabelle neben dem Klartext, also dem, was Kasper im Interview eigentlich gesagt haben will. „Wir müssen schon den Tatsachen ins Auge schauen, und wir müssen schauen, was ich wirklich gesagt habe – nicht was nachher herausgekommen ist.“, sagte Kasper der ARD. Und eigentlich klingen die Rechtfertigungen des Mannes sehr plausibel.

Aber.

Der TAGESANZEIGER ging in die Offensive und veröffentlichte die Audio-Files des Interviews, das mit Kasper geführt worden war. Und siehe da: Verfälscht ist da gar nichts, die Zeitung hat die Regeln der journalistischen Ethik auf Punkt und Komma eingehalten.

Wenn Sie an Ihre nächsten Interviews mit Journalistinnen oder Moderatoren denken, vergessen Sie bitte nicht: Medien müssen sich in den gegenwärtigen „Fake-News“-Zeiten verstärkt mit dem Vorwurf der Fälschung auseinandersetzen, denn das Misstrauen des Publikums ist allgegenwärtig. Das Geschäftsmodell der Medien basiert auf der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen, das sie bei den Zuseherinnen oder Lesern genießen. Diese beiden Bastionen werden sie unter allen Umständen verteidigen. Die Veröffentlichung des Original-Interviews von Gianfranco Kasper ist nur das jüngste Beispiel in dieser Richtung.

Das ist im Grunde eine gute Nachricht für Sie: Medien können sich Verfälschungen in großem Stil im Augenblick gar nicht leisten. Sagen Sie also im Interview das, was Sie am nächsten Tag in der Zeitung lesen wollen, und sonst nichts. Dann sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite.

 

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