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Pressekonferenz: Unklarheit ist manchmal produktiv

Wir wissen: Die Situation ist schwierig in Venezuela. Es gibt zwei Präsidenten, die Gefahr eines Bürgerkrieges wächst, die Inflation ist so hoch, dass man mittlerweile einen Geldkoffer braucht, um ein Kilo Brot zu kaufen. Im Überfluss vorhanden ist nur das Öl – und da kommt die amerikanische Regierung ins Spiel.

Und wohlgemerkt war in den Statements (also im gesprochenen Wort) des Amerikaners Bolton von einer Verlegung von US-Truppen nach Südamerika nicht die Rede. Der Hinweis stand nur auf diesem einen Notizblock, den der grimmig dreinschauende Mann auffällig unauffällig vor seine Brust hielt, sodass er für die Kameras deutlich sichtbar war.

Kernbotschaft der Pressekonferenz: Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Aber alle Optionen, die der amerikanischen Regierung in ihrem Umgang mit der Situation in Venezuela zur Verfügung stehen, liegen auf dem Tisch.

Aber die Frage ist natürlich jetzt: War diese Notiz eine Panne? Oder war sie eine Warnung?


Auch die nebensächlichen Details sind laut

Für beide Alternativen sind in den medialen Kommentaren der letzten Tage plausible Erklärungen gefunden worden. Einerseits fielen die maßgeblichen Entscheidungsträger in Kolumbien seither aus allen Wolken, was für die Panne spricht. Andererseits kann diese Aktion, auf gut Österreichisch gesprochen, auf keinen Fall so „patschert“ sein, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Es muss also eine Absicht dahinter stecken.

Wie auch immer. Wir können daraus lernen, dass auf einer Bühne nichts unschuldig ist. Alles, auch das unscheinbarste Detail, erzählt eine Geschichte.

Denken Sie zum Beispiel an das Kostüm, das die Queen zu den Zeiten der Brexit-Volksabstimmung bei den Sitzungen des britischen Unterhauses trug. Die gelben Blümchen im blauen Hut erinnerten das Publikum an die EU-Flagge, und die große Frage war: Will die Queen ihren Landsleuten damit etwas sagen? Steckt dahinter ein politisches Statement? Also eine Absicht?

Die großen Diskussionen, die Mutmaßungen, das Hinterfragen der Kommentatorinnen und Redakteure entstehen immer durch dieses Angedeutete, Uneindeutige, durch diese unkommentierte Zusatz-Information, die sinnlich anders (also zum Beispiel mit den Augen statt mit den Ohren) aufzunehmen ist als der mehrheitliche Rest.

Für Sie gilt also: Wollen Sie in einer Pressekonferenz oder einem TV-Interview die Mutmaßungen der Medien anfachen? Sind diese Ihnen willkommen? Dann fügen Sie etwas hinzu: ein Accessoire Ihrer Kleidung, eine öffentlich sichtbare Notiz auf einem Block, was auch immer … jedenfalls etwas, das in Ihren Informationen sonst nicht zur Sprache kommt und diese wesentlich erweitert.

Umgekehrt: Wenn Sie keine Mutmaßungen möchten, achten Sie erst recht darauf, dass die Details Ihre Botschaft unterstützen, und nicht ihr widersprechen. Wenn Letzteres unabsichtlich passiert, nennt man das eine Panne. Und zwar zu Recht.

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