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Interview mit peinlichen Fragen

Wie Sie Blamagen im Vorfeld vermeiden

Es war ein freudiges Ereignis, als die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern im Jänner bekanntmachte, dass sie ein Kind erwarte. „Unser Team wächst von zwei auf drei.“, schrieb sie auf Twitter.

Weniger freudig und leider nur eine Frage der Zeit waren allerdings die ersten unangebrachten Fragen in den Medien. Der Moderator Charles Wooley begann sein Interview mit der Dame im australischen TV-Format "60 Minutes" zum Beispiel so: „Ich habe schon viele Premierminister getroffen, aber keiner so jung und so klug, und keiner war jemals so attraktiv.“

Für das weibliche Publikum ist es schon nicht angenehm, wenn die Aufmerksamkeit auf das Äußere statt auf Inhalte gelenkt wird. Aber es ging noch weiter: „Eine wirklich wichtige politische (sic!) Frage muss ich Ihnen stellen: Wann genau wird das Baby geboren?“ Und noch weiter: „Das ist interessant, weil nun viele Leute zurückrechnen, wann das Baby gezeugt wurde.“

"60 Minutes" ist wohlgemerkt ein politisches Newsmagazin.

Den schlagfertigsten Kommentar lieferte die australische Bloggerin Belinda Barnet auf Twitter: „Man kennt das: Jeder hat so einen gruseligen Onkel, dem man auf Weihnachtsfeiern aus dem Weg gehen will. Sorry, dass wir ihn geschickt haben, um die Premierministerin zu interviewen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, über die zweifelhafte Qualität der Frage muss man nicht weiter reden.


Wie vermeiden Sie unangenehme Situationen?

Ich stelle Ihnen den Fall vor, weil hier eine Grenze überschritten wurde – was den Anstand, aber vor allem, was den Rahmen des Interviews betrifft. Und das ist für Sie wichtig, denn der Rahmen ist etwas, das üblicher Weise festgelegt wird, bevor das Interview beginnt. Wenn die interviewende Person professionell vorgeht, wird sie vor dem Live-Termin bekanntgeben, warum das Interview mit Ihnen von Interesse ist.

Bezogen auf Frau Ardern würde das bedeuten: Soll es um Politik gehen? Um bilaterale Fragen, die zwischen Neuseeland und Australien verhandelt werden? Oder soll es um Familienplanung gehen? Um die Organisation des Lebens von Mutter, Vater und Kind in einem herausfordernden beruflichen Umfeld?

Daraus entsteht dann eine Art „Vertrag“, die von beiden Seiten im Interview einzuhalten ist. Wird dieser Vertrag von der fragestellenden Person in der Live-Situation gebrochen, müssen Sie die Frage nicht beantworten. Ein knapper Hinweis genügt, Frau Ardern hat das im Interview gut erledigt: „Ich möchte da nicht weiter ins Detail gehen.“

Die Blamage lag ohnehin auf Seiten des Moderators.

 

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