Die Hoheit über das eigene Narrativ

Durch gute Portraits und Geschichten gelingt es, sich selbst als Führungsperson, aber auch das eigene Unternehmen, die eigenen Produkte und die eigene Marke nahbar zu machen und Menschen und Kund:innen nachhaltig zu inspirieren. Dazu müssen sie aber auch spannend erzählt werden. Manuel Stark verriet den Teilnehmer:innen der Intomedia Insight Lounge, welche Elemente wirkungsvolle Geschichten über CEOs enthalten müssen.

Warum die meisten Porträts langweilen

Portraits sind unter den Zeitungsleser:innen wenig beliebt. Nur etwa 6% der grundsätzlich interessierten Leser:innen schaffen es, einen durchschnittlich langen Artikel (3 Spalter)  bis zum Ende zu lesen. Portraits bilden da keine Ausnahme. Der Hauptgrund: Über-uns-Rubriken und Pressemitteilungen konzentrieren sich ausschließlich auf die Stärken einer ausgewählten Führungskraft und haben zum Ziel, diese möglichst sympathisch darzustellen. Aus Unternehmenssicht verständlich: Wer möglichst wenig preisgibt, hat auch ein besonders geringes Risiko Deshalb neigen viele Führungskräfte dazu, ihre Unsicherheiten, ihre scheinbaren Schwächen und Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg beiseitezuschieben und unerwähnt zu lassen. Doch ausschließlich positive Berichterstattung birgt eine große Gefahr: Sie erzeugt das Gefühl “hier stimmt doch etwas nicht” oder “das ist zu schön, um wahr zu sein”. Fazit: Wenn jemanden nur positiv über sich zu berichten hat, wird die Person unglaubwürdig und anstatt Vertrauen aufzubauen geht es verloren.

Was macht eine gute Selbstdarstellung aus?

Das Wesen eines guten Porträts ist immer die Überwindung von Hindernissen und Konflikten auf dem eigenen Weg. Nur so ist eine Identifikation mit dem Helden oder der Heldin, in unserem Fall der Führungskraft, möglich. Selbsterzählungen schaffen Vertrauen, wenn sie authentisch sind und die eigene Lebensgeschichte wirklich als Geschichte begreifen. Dies ist in der Regel keine lineare Aufstiegsgeschichte, sondern beinhaltet, wie das wohl berühmteste Plotmuster der Welt, die Heldenreise, Höhen und Tiefen. Durch das Erzählen von Fehleinschätzungen, Missgeschicken oder Irrtümern in der Vergangenheit werden Menschen ganzheitlich wahrnehmbar, denn als Leser:innen denken wir bei Erzählungen über das Überwinden von Widerständen, dass wir das auch schaffen könnten. Genau diese Elemente sorgen dafür, dass Personen nachvollziehbar werden und Rezipient:innen sich mit den porträtierten Personen identifizieren können.

Mut zu Fehlern

Dass man Manuel Stark gerne zuhört und wir ihn bereits zum zweiten Mal zu einer Insight Lounge eingeladen haben, liegt nicht zuletzt an seinem Mut, auch die eigenen Krisen und Bewährungsproben seines Lebensweges offen zu legen. Wie er immer wieder gerne betont, wurde ihm das Erzählen nicht in die Wiege gelegt und war kein vorherbestimmter Weg. Seine Eltern, Rangierer bei der Eisenbahn und Mitarbeiterin eines Reisebüros, wünschten sich nach Manuels Schulabschluss einen Juristen oder Ingenieur, bekamen aber einen Philosophen, der nach dem Studium noch eine weitere Schule besuchte. Und dann auch noch ausgerechnet die Journalistenschule. Auch bei seinem Arbeitgeber, der renommierten ZEIT in Hamburg, musste sich Manuel erst einmal beweisen und sich sprachlich anpassen. Gerade diese Elemente in Manuels Geschichte, die Widerstände, die er überwinden musste, und sein Neuanfang nach anfänglichem Scheitern schaffen Empathie und Identifikation. Das funktioniert auch bei Führungskräften.

Unterschiedliche Stationen von Führungskräften

Nicht nur bei unserem Referenten, sondern bei fast allen Führungskräften ist der eigene Werdegang eine Aneinanderreihung von erfolgreich gemeisterten Bewährungsproben. Sonst wäre man nicht in der Position, in der man sich heute befindet. Meist läuft dieser Prozess so ab: Man verlässt eine Welt, die man kennt (bei Stark z.B. das Elternhaus, dann das Studium, dann die ZEIT), dieser Prozess konfrontiert einen mit neuen Herausforderungen, auf die man nicht vorbereitet ist und die man annehmen muss. Weltenwechsel sind immer auch Perspektivwechsel, man braucht neue Strategien, um sich in der neuen Welt zurechtzufinden, vorhandenes Wissen muss hinterfragt werden. Ein Portrait sollte das Versprechen sein, die Geschichte zu erzählen, die die Frage beantwortet, warum man heute als Führungskraft in der Position ist, in der man sich befindet. Diese Anpassungsleistung an neue Welten und deren Erkundung ist das Spannende, was Menschen wirklich interessiert.

Eigene Narrative im Business-Alltag

Das Erzählen von Geschichten über sich selbst ist nicht nur im Rahmen von Portraits wichtig (seien wir ehrlich, wie oft werden wir von Journalist:innen für ein Portrait angefragt), sondern kann uns selbst weiterbringen und andere Menschen in ihrem Alltag inspirieren. Das eigene Narrativ kann dabei nicht nur im klassischen Portrait Anwendung finden, sondern auch in Mitarbeiter:innengesprächen, Präsentationen von Geschäftsberichten, Über-mich-Seiten auf der eigenen Website, Social Media Auftritten und gegenüber Journalist:innen erzählt werden. Ziel ist es immer, nahbar zu sein und Identifikation zu ermöglichen.

Wie bereitet man das eigene Narrativ vor?

Bei der Vorbereitung dieser Erzählung muss immer die Entscheidung getroffen werden, welches Ausmaß an “Privatem” man in das eigene Narrativ stecken will und was man von sich Preis geben möchte. Die Thematisierung von Fehlern ist dabei immer auch ein Kontrollieren der Botschaft, die von Journalist:innen veröffentlicht wird, wer etwas Spannendes anbietet, der läuft nicht Gefahr, dass das eigene Umfeld näher beleuchtet wird oder alte Schulfreunde befragt werden, die dann von unangenehmen Jugendsünden  erzählen, über die man keinerlei Kontrolle hat.

Wer sich fragt, wird interessant

Auch wenn Sie noch kein Journalist um ein Porträt gebeten hat, lohnt es sich gerade als Führungskraft, sich mit dem eigenen Werdegang auseinanderzusetzen und sich zu fragen, welche Widerstände überwunden werden mussten, um in der heutigen Position zu sein. Hier gilt: Wer die richtigen Fragen stellt, hat gute Chancen, einiges über sich selbst zu erfahren, was dann auch an anderen Stellen bewusst platziert werden kann. Sei es im nächsten Mitarbeiter:innengespräch, auf der eigenen Website, im nächsten Interview oder im nächsten Gespräch mit Journalist:innen.

Damit Sie dabei nicht ganz auf sich allein gestellt sind, hat Manuel Stark einen Fragebogen entwickelt, der Ihnen helfen soll, spannende Geschichten über sich zu finden. Schreiben Sie uns eine kurze Mail, wenn Sie den Fragebogen erhalten möchten. Wir senden Ihnen den Fragebogen dann in Kürze als PDF zu. Viel Spaß bei der Selbsterkundung.

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