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Ärger im TV-Interview – und nun?

Interview abbrechen - eine gute Idee?

Nach 100 Tagen Donald Trump gibt es für die Medien weltauf, weltab so einiges zu berichten, Bilanz zu ziehen, Ausblicke zu geben. Der Protagonist himself hat geruht, ein TV-Interview mit dem CBS-Journalisten John Dickerson am Samstag mit den Worten „das reicht, danke sehr“ abzubrechen.

Das passt gut ins Bild, denn der Mann hat bekanntlich ein problematisches Verhältnis zu den Medien – das ist Teil seiner Politik. Wichtigen Presse-Veranstaltungen wie z. B. dem Dinner der Berichterstatter im Weißen Haus bleibt er konsequent fern, seine Kreation der „alternativen Fakten“ ist noch immer in aller Munde, und John Dickersons News-Sendung auf CBS, „Face the Nation“, verspottete er im Interview mit „Deface the Nation“ – die Nation „entstellen“ statt sie „konfrontieren“.

Hier soll es aber nicht um Trumps Medienpolitik im Allgemeinen gehen, sondern um diesen besonderen Augenblick: den Abbruch des Interviews. Hier soll es darum gehen, warum es gut ist, dass Sie das nicht tun. So sehr Sie sich das insgeheim manchmal vielleicht wünschen.

Und verzeihen Sie, natürlich sind Sie nicht Herr oder Frau Trump. Ihr Verhältnis zu den Medien ist sicher nicht grundsätzlich gestört. Aber ein TV-Interview ist immer eine heikle Sache, und je kritischer der Stil des Fragestellenden, desto unangenehmer kann es werden. Das Pendant zu Herrn Dickerson in Punkto Angriffslust wären in Österreich zum Beispiel Armin Wolf oder Corinna Milborn.

Die Herausforderung annehmen

Unsere Medientrainer beobachten im Seminar gar nicht selten eine gehörige Portion „Schleim“, der sich da in den interviewten Personen ansammelt. Und oft ist der Ärger aus ihrer Warte auch einigermaßen verständlich. Hier prallt das Bedürfnis der Befragten, souverän und kompetent zu wirken, auf das Bedürfnis der Presse, unter allen Umständen die Wahrheit ans Licht zu bringen. Da sind die Brösel nicht fern.

Trotz allem: Auch wenn Sie innerlich kochen – brechen Sie ein Interview niemals ab. Journalistinnen und Journalisten sind in den Augen des Publikums diejenigen, die die Glaubwürdigkeit der angebotenen Information gewährleisten. Natürlich können sie dabei auch Fehler machen, aber ein Tarek Leitner und eine Nadja Bernhard sind für Herrn und Frau Österreicher diejenigen, die jeden Tag in ihr Wohnzimmer kommen, sich ein bisschen mit ihnen unterhalten und mit ihrer Präsenz dafür stehen, dass alles, was sie sagen, der Wahrheit entspricht.

Wenn Sie ein Interview abbrechen, vermitteln Sie dem Publikum den Eindruck, dass Sie sich über dieses Gesetz stellen, und die schädliche Wirkung davon fällt immer auf Sie zurück. Das ist, wie wenn Sie dem Publikum sagten: Ich muss mich nicht erklären. Oder: Ich bin stärker als die Medien. Oder: Ich habe etwas zu verbergen. Diesen Machtkampf können Sie nicht gewinnen. Auch der mächtigste Mann der Welt, Donald Trump, schaut dabei nicht wirklich gut aus.

Deshalb empfehlen wir gegen den Ärger unserer Trainees eine hilfreiche Pille: Sehen Sie die Situation nicht als Machtkampf, nehmen Sie die kritischen Fragen positiv. Sie verhelfen Ihren Aussagen in den Augen des Publikums zur Glaubwürdigkeit.

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