Intomedia Blog: Alles zwischen Sendern und Empfängern
12.05.2010

Lampenfieber: In Zaum halten, nicht beseitigen

von Stefan Schimmel

Heute bin ich auf YouTube über einen wirklich guten Ratgeber gestolpert, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Der Mann heißt Bill Lampton und spricht darüber, wie man lernen kann, mit Lampenfieber umzugehen.

Was mir wirklich gut an ihm gefällt: Der Mann gibt sich nicht als Wunderheiler. Er verspricht nicht, dass Sie Ihr Lampenfieber von heute auf morgen wegzaubern können. Aber genau dadurch beweist er, dass ihm wirklich etwas daran liegt, dass Sie vor Ihrem Publikum Erfolg haben:

Ähnlicher Artikel: Wie Angst uns die Ausstrahlung nimmt – der Worry-Faktor

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25.02.2010

Wie Angst uns die Ausstrahlung nimmt
Der Worry Faktor

von Stefan Schimmel

Stellen Sie sich vor, Sie hätten im Kopf eine geniale Idee. Ein wertvolles Produkt. Ein erfolgversprechendes Projekt.

Alles, was jetzt noch zu tun wäre: zu anderen Menschen zu sprechen, um sie für die Idee, das Produkt oder das Projekt zu gewinnen.

Und eigentlich könnte die Welt das reinste Paradies sein. Alles könnte wunderbar funktionieren – wenn da nur nicht das Publikum wäre.

Wenn da nur nicht diese Angst wäre vor dem Augenblick, da Sie Ihre Präsentation beginnen und das Gefühl haben, Sie würden von den erwartungsvollen Augen dieser Menschen regelrecht durchbohrt.

Wenn Ihnen diese Gedanken bekannt vorkommen, wissen Sie auch sehr genau, was der „Worry-Faktor“ ist. Dieses Wort bezeichnet unsere Angst davor, dass wir eine Situation, die wir als bedrohlich empfinden, möglicher Weise nicht bewältigen können.

Als die Wirtschaftskrise einsetzte, fand man heraus, dass dieses Gefühl Stress erzeugen kann, der krank macht. Lesen Sie dazu einen sehr interessanten Artikel in Newsweek.

Aber diese Angst ist nicht nur unangenehm, sie ist auch heimtückisch. Sie trifft nämlich immer genau ins Schwarze. Sie macht uns genau an den Punkten verletzbar, die für unsere Leistung ausschlaggebend sind.

Wenn Sie einen Pianisten fragen, wird er aus der Erfahrung seiner Konzerte berichten, dass die Angst bei ihm feuchte oder zitternde Hände verursacht. Aber genau die braucht er für den Anschlag der Tasten. Flötisten berichten über Trockenheit im Mund. Aber genau den brauchen sie für ihr Spiel. Organisten berichten über weiche Knie. Aber genau die brauchen sie zum Bedienen der Register.

Körperliche Symptome zeigen sich bei Musikern mit verlässlicher Regelmäßigkeit genau an den Körperteilen, die sie für ihre Leistung benötigen. Bei Präsentationen, Vorträgen, Reden, Interviews oder Diskussionen ist es nicht anders: die Angst trifft immer ins Schwarze.

Wir erzeugen auf unser Publikum dann die größte Wirkung, wenn wir ganz natürlich und „bei uns“ sind. Wenn wir aus der Quelle einer echten persönlichen Erfahrung oder Überzeugung sprechen.

Der „Worry-Faktor“ bewirkt aber, dass wir diesen persönlichen Erfahrungen oder Überzeugungen nicht mehr vertrauen. Wir haben das Gefühl, für unser Publikum nicht gut genug zu sein. Also wollen wir uns besser machen – und werfen damit genau jene Ressourcen über Bord, die unsere Ausstrahlung ermöglichen.

Wenn Sie eine Präsentation oder einen Vortrag oder ein Interview vorbereiten – dressieren Sie sich nicht selbst. Denken Sie nicht darüber nach, wie Sie sich vor Ihrem Publikum bewegen sollen, wo Sie effektvolle Pausen setzen können oder ob Sie eine Sprache verwenden sollen, die so hochgestochen ist, dass sie nicht zu Ihnen passt.

Denken Sie darüber nach, welche persönlichen Überzeugungen hinter Ihren Inhalten stehen.

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