3 Dinge, die ich lernte, während mein Flugzeug abstürzte
Einschneidende Erlebnisse können unsere Einstellung zum Leben radikal verändern. Das ist mir wieder einmal richtig bewusst geworden bei diesem wunderbaren Vortrag des Marketing-Experten Ric Elias auf der TED-Konferenz 2011 in Long Beach.
Der Mann war einer der 155 Überlebenden der Maschine von „Flug 1549“, die im Jänner 2009 kurz nach dem Start in LaGuardia in einen Vogelschwarm geriet und im Hudson-River notlanden musste; Sie erinnern sich sicher daran, dass man damals den Piloten Chesley Sullenberger als Helden feierte, weil kein Passagier zu Schaden gekommen war.
Etwas mehr als zwei Jahre danach sind aber auch noch andere Dinge interessant: Was ist aus diesen 155 Menschen geworden? Wie hat dieses Erlebnis ihr Leben verändert? – Nun, ein Beispiel sehen Sie hier, erzählt von Ric Elias:
Vielleicht fällt Ihnen auf, dass der Marketing-Mann hier so gar nicht in glatten Slogans oder typischen Marketing-Floskeln spricht.
„Ich will nichts mehr aufschieben.“
„Ich will die Zeit mit den Menschen, die ich liebe, sinnvoll nutzen.“
„Ich will meinen Kindern ein guter Vater sein.“
Klingt kitschig, nicht aber aus dem Mund dieses Mannes. Klar, denn er redet hier über seine ureigensten Erfahrungen. Über Dinge, die sein Leben definieren. Einschneidende Erlebnisse können uns nicht nur bewusst machen, wie schön und wertvoll das Leben sein kann, sie können noch etwas: Sie können uns bewusst machen, zu welchen Überzeugungen, die tagtäglich aus unserem Mund kommen, wir 100%ig stehen können, und welche Sätze reine Floskeln sind.
Auch wenn Sie nicht mit dem Flugzeug abgestürzt sind: Welche einschneidenden Dinge definieren eigentlich Ihr Leben?
Der echte Revolutionär
Er betont immer wieder, kein Held sein zu wollen. Aber in Ägypten ist er einer. Und meiner ist er auch.
Wael Ghonim arbeitete für Google in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er war Marketing-Chef für den Nahen Osten. Er organisierte auf Facebook den Protest gegen das Regime Hosni Mubaraks.
Er hatte seinen Arbeitgeber gebeten, „wegen eines persönlichen Anliegens“ in seine Heimat reisen zu dürfen. Dort angekommen, wurde er 12 Tage lang in Haft genommen, die meiste Zeit mit verbundenen Augen. Er hatte Glück, denn Google machte Druck, und er kam frei. Nach seiner Freilassung gab er der in Ägypten sehr bekannten Moderatorin Mona El-Shazly ein Interview. Tags darauf sprach er am Kairoer Tahrir-Platz zu den Demonstranten.
Seither ist Wael Ghonim in Ägypten das „Gesicht der Revolution“. Sein Interview berührte Millionen von Ägyptern vor den Fernsehschirmen und gab einer Revolte, die zu diesem Zeitpunkt bereits abzuflauen drohte, frisches Feuer. Wael Ghonim ist der Motor dafür, dass Millionen von Ägyptern am Tahrir-Platz laut aussprechen, was sie längst insgeheim gedacht haben: „Wir kommen, bis er (Mubarak) geht!“
Warum spreche ich hier über ihn? – Einmal, weil mir Zivilcourage imponiert. Aber dann auch, weil Wael Ghonim ein seltenes Beispiel für gesunde Bescheidenheit ist. Das Publikum, das sein Interview im Fernsehen sah, spürte genau: Hier ist einer mit einem echten Anliegen. Einer, dessen Gefühle authentisch sind; der viel leistet, aber dabei nicht auftrumpft; der keine Floskeln drischt und aus seinem Leben kein Marketing-Event macht. Aber genau diese Mischung aus Courage und Echtheit hat seinem Interview in der ägyptischen Öffentlichkeit die Wirkung gegeben, die es ausübte. Deshalb gehen sie dort jetzt auf die Straße und lassen sich nicht mehr von ihrem Anliegen abbringen.
Wael Ghonim ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man mit Substanz und Echtheit beim Sprechen nichts falsch machen kann:


















