In Memoriam Dr. Randolph Pausch
Er war Universitäts-professor im fernen Pittsburgh. Als er aber vor genau zwei Jahren, am 25. 07. 2008, im Alter von 47 Jahren an Krebs starb, nahm nicht nur seine nähere Umgebung Anteil, sondern die ganze Welt. Das Plakat auf dem Foto bringt auf den Punkt, warum das so war: Weil Randy Pausch selbst in der Zeit seines Sterbens zu seinen Mitmenschen nicht über Trauer gesprochen hat, sondern über die Schönheit des Lebens.
Er hat das in einem ganz einfachen und ehrlichen Ton getan. Aber genau durch diese Schlichtheit fühlten sich viele Menschen angesprochen und motiviert, die Schönheit in ihrem eigenen Leben zu finden.
Randy Pausch war so talentiert und gleichzeitig so sozial, dass die Welt es als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfand, dass er so früh gehen musste. Aber nicht nur deswegen ist es mir ein Anliegen, hier an ihn zu erinnern. Seine „last lecture“, die er einige Monate vor seinem Tod an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh gehalten hatte, ist zu einem Musterbeispiel für inspirierende Vortragskunst geraten.
Diese Vorlesung war einer dieser besonderen Momente, in denen ein wunderbares Ergebnis dadurch zustande kommt, dass aus einer Notwendigkeit heraus genau die richtigen Vorkehrungen getroffen werden. Und das Beste ist: Pausch hat über seinen Vortrag ein Buch geschrieben, in dem er seine Beweggründe offenlegte. Wir können also im Nachhinein nachvollziehen, wie er sich vorbereitet hat.
Das Vorbild Randy Pausch
Die „last lecture“ ist an amerikanischen Universitäten traditionell eine öffentliche Vorlesung, die ein Professor so gestaltet, als sei es die letzte seines Lebens. Der Reiz, den sie auf das Publikum ausüben, erklärt sich daraus, dass dort die Quintessenz aller Erfahrungen eines Forscherlebens zur Sprache kommt.
Als Randy Pausch seine „last lecture“ hielt, bewahrheitete sich das sonst eigentlich eher heiter gemeinte Motto in makabrer Weise: Er hatte erst wenige Tage vor seinem Vorlesungstermin den unglücklichen Befund erhalten, der ihm klarmachte, dass er unheilbar krank war. Diese Vorlesung war tatsächlich seine letzte. Sein Befund veranlasste ihn dazu, klare und bewusste Entscheidungen darüber zu treffen, wie er mit der ihm verbleibenden Zeit umgehen wollte. Seine Entscheidungen betrafen Dinge seines persönlichen Lebens wie etwa seine Frau, seine Kinder, seinen Beruf – aber auch den Termin seiner „last lecture“, der bereits längere Zeit vorher fixiert worden war.
Er hätte diesen Termin nicht wahrnehmen müssen. Seine Vorgesetzten, die um seine Situation wussten, hätten eine Absage verstanden und akzeptiert. Und doch entschied er sich ganz bewusst dafür, sich an diesem Tag noch ein letztes Mal seinem studentischen Publikum zu präsentieren.
Und jetzt passierte etwas Wesentliches: Sein Entschluss, sich dem Auftritt zu stellen, und die Situation, in der er sich befand, brachten ihn dazu, bei der Planung jene entscheidende Frage zu stellen, die sich jeder Vortragende bei seiner Vorbereitung zu allererst stellen muss: Er stellte sich die Frage nach der Bedeutung dieser Veranstaltung. Er suchte nach seinem persönlichen Sinn.
Kleine Ursache - große Folgen
Als Pausch seine Antwort auf diese Frage gefunden hatte, beschloss er, bei seiner Vorlesung nicht das Naheliegende zu tun: Er machte nicht die Krankheit zu seinem Thema. Inhalt seines Auftrittes waren nicht, wie man erwarten hätte können, der Krebs oder der Tod oder die „letzten Dinge“ oder Religion oder Spiritualität und dergleichen, sondern ganz im Gegenteil: Inhalt war das Leben und alles, was es lebenswert macht. Also nannte er seine Vorlesung „Really achieving your childhood dreams“. „Ich bin nicht so deprimiert, wie ich sein sollte.“ Darin bestand der persönliche Sinn seines Inhaltes, den er an diesem Tag seinem Publikum mit auf den Weg geben wollte.
Was bewirkt nun dieser persönliche Sinn beim Auftritt?
Bei aller Nervosität und aller Zweifel, die ein jeder Vortragende vor seinem Publikum empfindet, kann er damit „bei sich bleiben“ und sich auf den tragenden Gedanken seines Vortrags konzentrieren. Im Storytelling nennt man diese Form des tragenden Gedanken „die beherrschende Idee“. Die "beherrschende Idee" ist ein in einem einzigen Satz formulierter Gedanke, der Ihre persönliche Überzeugung ausdrückt, die Quintessenz dessen, was Sie Ihrem Publikum am Ort x in der Stunde y vermitteln wollen.
Wenn Sie einen Vortrag vorbereiten – betrachten Sie ihn als "last lecture" und suchen Sie zu allererst nach Ihrer beherrschenden Idee. Sie ist zwar nur ein einziger Satz. Aber sie hat unschätzbare Folgen: Sie ist nicht nur ein Kriterium für die Auswahl Ihrer Inhalte, sondern auch ein Garant für Ihre Präsenz und Wirkung auf dem Podium.
Man kann Stimmigkeit, Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit beim öffentlichen Auftritt nicht besser in die Tat umsetzen, als es Randy Pausch bei seiner Vorlesung getan hat. Ich zeige Ihnen hier noch den Mitschnitt; er dauert zwar fast 80 Minuten, aber ich kann Ihnen empfehlen: Nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich!
Verweigerung der Show: 12 Punkte
Vor einigen Jahren war Deutschland noch Papst. Mittlerweile ist Deutschland – Lena, und wie es im Augenblick aussieht, wird sich der Rummel um die 19jährige Songcontest-Siegerin nicht so schnell legen. Das „Sommermädchen“, wie die Deutschen sie auch nennen, versetzt eine ganze Nation in einen kollektiven Romantik-Taumel wie die Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-WM im Sommer 2006.
Musik ist eine besondere Form der Kommunikation. Wenn ein Sänger, oder eine Pianistin, oder meinetwegen ein Basstuba-Spieler auf die Bühne gehen und dort ihre Darbietungen beginnen, dann arbeiten sie natürlich mit anderen Mitteln als ein Sprecher beim Vortrag, bei der Präsentation oder beim Interview. Aber das Ziel ist das gleiche: in den Zuhörern Gedanken und Emotionen auszulösen. Die Gesetzmäßigkeiten sind die gleichen. Insofern finde ich den Auftritt, den Lena Meyer-Landrut am Abend des vergangenen Samstags in Oslo absolvierte, für Vortragende, Präsentatoren oder Interviewpartner ganz besonders lehrreich.
Seit dem Augenblick, als ich sie im Fernsehen bei der Arbeit beobachtete, beschäftigt mich die Art und Weise, wie ihr Sieg zustande kam. – Das Frappierende daran ist, dass hier ein „einfaches Mädchen von der Straße“ gegen einen ganzen Haufen knallharter Profis gewann. Man könnte sagen: Der David mit der Steinschleuder hat eine Hightech-Armee von lauter aufgemotzten Goliaths besiegt.
Lena und ihre Berater verzichteten im Gegensatz zu ihren Gegnern konsequent auf alles, was einem Auftritt Effekt verleihen könnte. Tanzen? – Sie tanzt zu ihrem Lied ein wenig staksig, wie ein 13jähriges Mädchen es tun würde, wenn sie das erste Mal in die Disko geht. Singen? – Ihre Stimme ist gut für eine 19jährige, die in einer Casting-Show ausgebildet worden ist. Aber manchmal klingt sie ein wenig dünn und außer Atem, möglicher Weise wegen der Nervosität, aber das ist jetzt eine Vermutung. Trotzdem Hand aufs Herz. Ich glaube, ich beleidige Lena jetzt nicht, wenn ich behaupte: Barbara Streisand ist sie (noch) keine. Outfit? – Ihr schwarzes Kleid ist hübsch, aber für den Anlass auffallend zurückhaltend.
Sie verzichtet auf Rauch, Lichteffekte und eine aufwändige Bühnenshow wie etwa die zweitplatzierten „maNga“ aus der Türkei. Ihre Background-Sänger sind, anders als beim Auftritt der drittplatzierten „Paula Seling & Ovi“ aus Rumänien, kaum beleuchtet und verschwinden im Hintergrund. Keinerlei Melodramatik wie beim fünftplatzierten Tom Dice aus Belgien, der zu seiner Gitarre schmachtend eine Ballade ins Mikro haucht.
Und trotzdem hat sie gewonnen. Warum?
Ich würde sagen: Gerade weil sie auf Effekte verzichtet hat. Weil das Lied in seiner Anmutung zu ihr passt. Weil niemand ihr gesagt hat, sie soll sich auf der Bühne anders geben als sie ist. Und: Weil man ihr ansieht, dass sie trotz aller Anspannung, die ein solcher Auftritt mit sich bringt, Spaß hat vor ihrem Publikum. Salopp gesprochen: Weil sie sich nichts pfeift. Genauso sieht man sie in den Medien, zum Beispiel in der Frankfurter Allgemeinen: als eine Vertreterin der „Unschuld“, die sich gegen das „Abgebrühte“ durchsetzen konnte.
Lenas Sieg beim Song-Contest war nicht nur eine Sternstunde für Lena selbst, sondern auch eine Sternstunde für die Natürlichkeit. Das Ereignis zeigt, dass offensichtlich die Menschen im Augenblick ganz allgemein nach Echtheit dürsten. Dass sie der Natürlichkeit den Vorzug geben vor einer Show, die ihnen etwas vorspielt. Die sie zwar beeindrucken, aber nicht emotional berühren kann.
Dass sich Charisma in Natürlichkeit begründet, wussten schon die alten Griechen. Das griechische Wort „charis“, das hinter diesem Begriff steckt, heißt zu Deutsch: „Freude“. Ehrlich empfundene Freude, emotionales Eins-Sein mit sich und der Welt, kann auf der Bühne Unsauberkeiten, wie etwa eine unvollständig ausgebildete Stimme, ausgleichen. Das Publikum ist dann bereit, Schwächen zu verzeihen. Warum? – Weil mit Hilfe der Natürlichkeit die Beziehung zum Menschen auf der Bühne über die Identifikation hergestellt wird. Wenn Lena auf die Bühne geht, können die Jungs sich wünschen, sie zur Freundin zu haben; und die Mädchen können davon träumen, genauso zu sein wie sie.
Wir lassen uns als Publikum gerne in die Gedanken-Welt des Auftretenden hineinziehen, wenn er natürlich ist. Bei allem, was man am Auftritt des jungen Mädchens namens Lena herumkritteln könnte – Natürlichkeit ist eine Leistung, und man sollte sie nicht unterschätzen. Natürlichkeit brachte ihr den Sieg. Und führte immerhin dazu, dass ganz Deutschland jetzt Lena ist.
Wie Angst uns die Ausstrahlung nimmt
Der Worry Faktor
Stellen Sie sich vor, Sie hätten im Kopf eine geniale Idee. Ein wertvolles Produkt. Ein erfolgversprechendes Projekt.
Alles, was jetzt noch zu tun wäre: zu anderen Menschen zu sprechen, um sie für die Idee, das Produkt oder das Projekt zu gewinnen.
Und eigentlich könnte die Welt das reinste Paradies sein. Alles könnte wunderbar funktionieren – wenn da nur nicht das Publikum wäre.
Wenn da nur nicht diese Angst wäre vor dem Augenblick, da Sie Ihre Präsentation beginnen und das Gefühl haben, Sie würden von den erwartungsvollen Augen dieser Menschen regelrecht durchbohrt.
Wenn Ihnen diese Gedanken bekannt vorkommen, wissen Sie auch sehr genau, was der „Worry-Faktor“ ist. Dieses Wort bezeichnet unsere Angst davor, dass wir eine Situation, die wir als bedrohlich empfinden, möglicher Weise nicht bewältigen können.
Als die Wirtschaftskrise einsetzte, fand man heraus, dass dieses Gefühl Stress erzeugen kann, der krank macht. Lesen Sie dazu einen sehr interessanten Artikel in Newsweek.
Aber diese Angst ist nicht nur unangenehm, sie ist auch heimtückisch. Sie trifft nämlich immer genau ins Schwarze. Sie macht uns genau an den Punkten verletzbar, die für unsere Leistung ausschlaggebend sind.
Wenn Sie einen Pianisten fragen, wird er aus der Erfahrung seiner Konzerte berichten, dass die Angst bei ihm feuchte oder zitternde Hände verursacht. Aber genau die braucht er für den Anschlag der Tasten. Flötisten berichten über Trockenheit im Mund. Aber genau den brauchen sie für ihr Spiel. Organisten berichten über weiche Knie. Aber genau die brauchen sie zum Bedienen der Register.
Körperliche Symptome zeigen sich bei Musikern mit verlässlicher Regelmäßigkeit genau an den Körperteilen, die sie für ihre Leistung benötigen. Bei Präsentationen, Vorträgen, Reden, Interviews oder Diskussionen ist es nicht anders: die Angst trifft immer ins Schwarze.
Wir erzeugen auf unser Publikum dann die größte Wirkung, wenn wir ganz natürlich und „bei uns“ sind. Wenn wir aus der Quelle einer echten persönlichen Erfahrung oder Überzeugung sprechen.
Der „Worry-Faktor“ bewirkt aber, dass wir diesen persönlichen Erfahrungen oder Überzeugungen nicht mehr vertrauen. Wir haben das Gefühl, für unser Publikum nicht gut genug zu sein. Also wollen wir uns besser machen – und werfen damit genau jene Ressourcen über Bord, die unsere Ausstrahlung ermöglichen.
Wenn Sie eine Präsentation oder einen Vortrag oder ein Interview vorbereiten – dressieren Sie sich nicht selbst. Denken Sie nicht darüber nach, wie Sie sich vor Ihrem Publikum bewegen sollen, wo Sie effektvolle Pausen setzen können oder ob Sie eine Sprache verwenden sollen, die so hochgestochen ist, dass sie nicht zu Ihnen passt.
Denken Sie darüber nach, welche persönlichen Überzeugungen hinter Ihren Inhalten stehen.
Steve Jobs – ein Kunstwerk. Maximale Wirkung – Minimale Mittel
Wenn Sie an die Präsentationen des Steve Jobs denken und sich fragen, worin das Geheimnis seiner einzigartigen Ausstrahlung liegt –
dann stellen Sie sich einen Raum vor. Einen Raum mit einer Bühne.
Machen Sie ihn dunkel.
Erster Akt:
Nehmen Sie ein bisschen Licht und konzentrieren, bündeln Sie es auf einen Kreis.
Worauf werden die Augen gerichtet sein?
Richtig – auf den Kreis.
Wenn Sie nun diesen Lichtkreis bewegen. Langsam gleiten lassen. Von links nach rechts. Was wird passieren?
Richtig – die Augenpaare werden dem Kreis folgen.
Der Kreis ist das Zentrum. Der Kreis ist das Wichtigste. Der Kreis ist der „Star“.
Wenn sich nun Steve Jobs (oder Sie) fern jeder Ablenkung und ohne zusätzliches Angebot auf die Bühne stellt (stellen), worauf wird die Aufmerksamkeit gerichtet sein? – Sie (oder Steve Jobs) haben dann bei Ihren Auftritten alle Aufmerksamkeit der Welt.
Jobs stellt sich vor sein Publikum ohne Sakko, ohne Krawatte, ohne Gürtel. Nur mit Hose, Pullover und Turnschuhen. Bloß mit einer „zweiten Haut“. – Das ist sein Meisterstück.
Es heißt: Ich stehe “nackt“ vor euch. Ich bin, was ich bin.
Ich verzichte auf alle Insignien und Zeichen der Macht und des Erfolges.
Hier stehe ich. Ich, Steve Jobs.
Das ist ein Script für Reinheit. Für Unschuld. Für den puren, begabten Menschen, der unsere Würdigung verdient. Unsere Lebenszeit. Unsere Aufmerksamkeit.
Zuhören, zusehen, Aufmerksamkeit schenken heißt:
Lebenszeit schenken.
Dazu fällt mir ein Zitat von Emerson Walker ein.
„Wenn’s ums Leben geht, sollten Sie verdammt nochmal nicht langweilig sein.“
PS.
„Lernen von den Besten“:
Wenn Steve Jobs Apple-Neuheiten präsentiert, sieht das zwar immer leicht und spielerisch aus. Aber es ist perfekt geplant. Jeder Handgriff stimmt, jedes Argument sitzt am richtigen Platz.
Wirkung und Ausstrahlung basiert auf Prinzipien, die für jedermann lernbar sind.
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, hier die Besten der Besten zu analysieren und daraus Anregungen abzuleiten, die für jeden und jede anwendbar sein können – selbst wenn sie von sich glauben, ganz und gar untalentiert zu sein.
Lesen Sie also hier in Kürze:
Zweiter Akt: Die Keynotes des Steve Jobs, und wie er seine Produkte inszeniert.



















