Intomedia Blog: Alles zwischen Sendern und Empfängern
25.07.2010

In Memoriam Dr. Randolph Pausch

von Stefan Schimmel

Er war Universitäts-professor im fernen Pittsburgh. Als er aber vor genau zwei Jahren, am 25. 07. 2008, im Alter von 47 Jahren an Krebs starb, nahm nicht nur seine nähere Umgebung Anteil, sondern die ganze Welt. Das Plakat auf dem Foto bringt auf den Punkt, warum das so war: Weil Randy Pausch selbst in der Zeit seines Sterbens zu seinen Mitmenschen nicht über Trauer gesprochen hat, sondern über die Schönheit des Lebens.

Er hat das in einem ganz einfachen und ehrlichen Ton getan. Aber genau durch diese Schlichtheit fühlten sich viele Menschen angesprochen und motiviert, die Schönheit in ihrem eigenen Leben zu finden.

Randy Pausch war so talentiert und gleichzeitig so sozial, dass die Welt es als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfand, dass er so früh gehen musste. Aber nicht nur deswegen ist es mir ein Anliegen, hier an ihn zu erinnern. Seine „last lecture“, die er einige Monate vor seinem Tod an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh gehalten hatte, ist zu einem Musterbeispiel für inspirierende Vortragskunst geraten.

Diese Vorlesung war einer dieser besonderen Momente, in denen ein wunderbares Ergebnis dadurch zustande kommt, dass aus einer Notwendigkeit heraus genau die richtigen Vorkehrungen getroffen werden. Und das Beste ist: Pausch hat über seinen Vortrag ein Buch geschrieben, in dem er seine Beweggründe offenlegte. Wir können also im Nachhinein nachvollziehen, wie er sich vorbereitet hat.

Das Vorbild Randy Pausch

Die „last lecture“ ist an amerikanischen Universitäten traditionell eine öffentliche Vorlesung, die ein Professor so gestaltet, als sei es die letzte seines Lebens. Der Reiz, den sie auf das Publikum ausüben, erklärt sich daraus, dass dort die Quintessenz aller Erfahrungen eines Forscherlebens zur Sprache kommt.

Als Randy Pausch seine „last lecture“ hielt, bewahrheitete sich das sonst eigentlich eher heiter gemeinte Motto in makabrer Weise: Er hatte erst wenige Tage vor seinem Vorlesungstermin den unglücklichen Befund erhalten, der ihm klarmachte, dass er unheilbar krank war. Diese Vorlesung war tatsächlich seine letzte. Sein Befund veranlasste ihn dazu, klare und bewusste Entscheidungen darüber zu treffen, wie er mit der ihm verbleibenden Zeit umgehen wollte. Seine Entscheidungen betrafen Dinge seines persönlichen Lebens wie etwa seine Frau, seine Kinder, seinen Beruf – aber auch den Termin seiner „last lecture“, der bereits längere Zeit vorher fixiert worden war.

Er hätte diesen Termin nicht wahrnehmen müssen. Seine Vorgesetzten, die um seine Situation wussten, hätten eine Absage verstanden und akzeptiert. Und doch entschied er sich ganz bewusst dafür, sich an diesem Tag noch ein letztes Mal seinem studentischen Publikum zu präsentieren.

Und jetzt passierte etwas Wesentliches: Sein Entschluss, sich dem Auftritt zu stellen, und die Situation, in der er sich befand, brachten ihn dazu, bei der Planung jene entscheidende Frage zu stellen, die sich jeder Vortragende bei seiner Vorbereitung zu allererst stellen muss: Er stellte sich die Frage nach der Bedeutung dieser Veranstaltung. Er suchte nach seinem persönlichen Sinn.

Kleine Ursache - große Folgen

Als Pausch seine Antwort auf diese Frage gefunden hatte, beschloss er, bei seiner Vorlesung nicht das Naheliegende zu tun: Er machte nicht die Krankheit zu seinem Thema. Inhalt seines Auftrittes waren nicht, wie man erwarten hätte können, der Krebs oder der Tod oder die „letzten Dinge“ oder Religion oder Spiritualität und dergleichen, sondern ganz im Gegenteil: Inhalt war das Leben und alles, was es lebenswert macht. Also nannte er seine Vorlesung „Really achieving your childhood dreams“. „Ich bin nicht so deprimiert, wie ich sein sollte.“ Darin bestand der persönliche Sinn seines Inhaltes, den er an diesem Tag seinem Publikum mit auf den Weg geben wollte.

Was bewirkt nun dieser persönliche Sinn beim Auftritt?

Bei aller Nervosität und aller Zweifel, die ein jeder Vortragende vor seinem Publikum empfindet, kann er damit „bei sich bleiben“ und sich auf den tragenden Gedanken seines Vortrags konzentrieren. Im Storytelling nennt man diese Form des tragenden Gedanken „die beherrschende Idee“. Die "beherrschende Idee" ist ein in einem einzigen Satz formulierter Gedanke, der Ihre persönliche Überzeugung ausdrückt, die Quintessenz dessen, was Sie Ihrem Publikum am Ort x in der Stunde y vermitteln wollen.

Wenn Sie einen Vortrag vorbereiten – betrachten Sie ihn als "last lecture" und suchen Sie zu allererst nach Ihrer beherrschenden Idee. Sie ist zwar nur ein einziger Satz. Aber sie hat unschätzbare Folgen: Sie ist nicht nur ein Kriterium für die Auswahl Ihrer Inhalte, sondern auch ein Garant für Ihre Präsenz und Wirkung auf dem Podium.

Man kann Stimmigkeit, Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit beim öffentlichen Auftritt nicht besser in die Tat umsetzen, als es Randy Pausch bei seiner Vorlesung getan hat. Ich zeige Ihnen hier noch den Mitschnitt; er dauert zwar fast 80 Minuten, aber ich kann Ihnen empfehlen: Nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich!

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