Intomedia Blog: Alles zwischen Sendern und Empfängern
23.06.2010

Immer die gleiche Litanei?

von Georg Pollhammer

„Hans Dichand ist tot.“
„Die Kirche verliert 2010 80.000 Gläubige“.
Zwei Stories, die in den letzten Tagen unter anderem im Ö3 Wecker das Topthema, der „talk of town“ waren. Was aber, werden Sie sich fragen, haben diese beiden Themen in einem Blog verloren? Ganz einfach: Sie zeigen den Erfolg und den Misserfolg bei Beachtung oder Missachtung der zielgruppengerechten Kommunikation. Und sie führen in nahezu gespenstischer Klarheit vor Augen, dass sich eine gute Idee allein – ohne die korrekte Kommunikation – auf Dauer schwer tut.


Manche sagen, wenn es um Entscheidungswege und Kommunikation in der katholischen Kirche geht: „Das ist eine Institution, die über Hunderte und Tausende von Jahren denkt, nicht über kurze Zeiträume hinweg.“ Das stimmt schon – und doch musste die Kirche ihre Kommunikation immer wieder ändern. Der Übergang von der lateinischen zur deutschen Liturgie war ein solcher Paradigmenwechsel. Und es scheint hoch an der Zeit zu sein, wieder darüber nachzudenken.


Dichand hat dieses Prinzip immerhin auch 50 Jahre durchgehalten.
Er hat zielgruppenorientiert produziert bis zur buchstäblich letzten Sekunde. Ob man die Inhalte gut geheißen oder sie gehasst hat – funktioniert hat es allemal (siehe dazu auch den Post von Stefan Schimmel). Dass ein 86-jähriger beispielsweise noch einen eigenen Blog startet, ist immerhin nicht daily business. Die katholische Kirche hingegen verweigert sich nahezu jedem einzelnen Grundgesetz der Kommunikation. Beginnend beim Atom des Miteinander-Redens, dem Wort, bis hin zu gestandenen Themen wie der Krisenkommunikation.


Es sind einzelne Worte, die in Gottesdiensten, in Interviews, in Predigten für einen ganz bestimmten und – wie ich meine – nicht zeitgemäßen „Sound“ sorgen: Das Wort „Liebe“ beispielsweise hat, von geistlichen Würdenträgern, ausgesprochen oft eine gedehnte, leicht nasalierte Aussprache, tendenziell mit einem leichten „ö“ am Ende. Begleitet zumeist von einem Schließen der Augen und dem Senken des Kopfes am Ende. Sie hören und sehen es bestimmt in sich, wenn ich es schreibe. Ganz egal, ob ich Seelsorger in „Einfach zum Nachdenken“ oder Geistliche in normalen Gesprächen höre: Das Salbungsvolle, letztlich Unnatürliche und Unauthentische überwiegt. Die Worte klingen für mich, so ehrlich sie gemeint sein mögen, stets künstlich, eingelernt und unecht. Vom Atom des Wortes setzt sich dieser Klang fort zu Wendungen. „Es begab sich...“, „Da sprach...“ oder der gehäufte Einsatz des Wortes „und“, um besondere Aufmerksamkeit zu erzeugen, sind ebenfalls der Sprache nicht zuträglich, mit der man die Menschen heute noch im Herzen anspricht.

Ich möchte niemandem in seinem Glauben nahetreten. Denn was gibt es Größeres zu kommunizieren als das unendliche Leben, Schuld und Sühne – die Wahrheit. Ich meine in meiner Kritik nicht die Idee. Ich meine nur die Kommunikation der Idee.


Zwei Beispiele zeigen, wie verstörend zutreffend Kabarettisten und Comedians diese Sprache immer wieder aufgreifen. Nicht, dass ich die Beispiele für geschmackvoll halte. Aber sie treffen den wunden Punkt. Einmal der Brachialcomedian Oliver Kalkofen (lassen Sie sich vom platten ersten „Störmanöver“ nicht abschrecken):

Oder „Mister Bean“, Rowan Atkinson:

Zuletzt sei noch das Thema „Krisenkommunikation“ erwähnt: Kein CEO einer Firma könnte es sich leisten, so lange zu schwerwiegenden Vorwürfen zu schweigen und dann so trefflich an der Sache vorbeizureden, wie es für Päpste offensichtlich immer noch geziemend erscheint. „Nur weil Sie nicht mitreden, wird die Krise nicht vorübergehen.“, so eine wichtige Botschaft in unseren Trainings. Wenn die ganze Welt über Missbrauch spricht und nur einer schweigt, dann wird die Watzlawick‘sche Uraltweisheit wieder einmal offensichtlich: Das ist auch eine Botschaft.

Kurzum: Wir werden es alle in 100 oder 500 Jahren nicht nachprüfen können, ob die Verweigerung der Anpassung in Ton und Sprache sich weiter auswirken wird. Ich fürchte aber, dass das Auswandern der Gläubigen anhalten wird, solange die Idee nicht die Herzen erreichen kann, weil sie die Menschen nicht an-spricht.


Medien verlieren Seher, Hörer und Leser und in der Folge Werbegeld, wenn sie am Zielpublikum vorbeireden.
Kirchen verlieren Gläubige und Kirchensteuer.
So gesehen haben die beiden Themen „Hans Dichand“ und „Katholische Kirche“ sehr viel miteinander zu tun.

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