Intomedia Blog: Alles zwischen Sendern und Empfängern
19.08.2010

Die Schönheit einer Statistik

von Stefan Schimmel

Der schwedische Arzt Hans Rosling will nicht die Welt verändern. Nur den Blick, den die Menschen auf die Welt haben.

Wenn Hans Rosling eine Statistik präsentiert, dann wird aus dem trockenen Zahlenmaterial schnurstracks das faszinierende Bild einer pittoresken Landschaft. Ein gutes Beispiel dafür ist seine Präsentation, die er auf der neulich zu Ende gegangenen "TED@Cannes"-Konferenz gehalten hat. Bevor Sie sich ein Video von ihm ansehen, kann ich Ihnen eines versprechen: So anschaulich, so spielerisch und gleichzeitig so genau haben Sie noch niemanden eine Statistik präsentieren gesehen wie Hans Rosling. Es macht gleichzeitig Spaß und Sinn. Sehen Sie sich zum Beispiel den Mitschnitt der TED-Konferenz 2009 an, bei der er über neue Daten und Fakten zu HIV sprach:

Der „Visualisierungs-Freak“

Seine Bemühungen um gute Visualisierungen kommen nicht von ungefähr. Hans Rosling praktizierte und forschte als junger Mediziner in ländlichen Gegenden Mozambiques. Er kennt die Zustände in Afrika aus eigener Anschauung. Deshalb war er entsetzt, als er in Stockholm Anfang der 90er Jahre seine erste Vorlesung in „Global Health“ hielt und dabei Studenten traf, die über die „Dritte Welt“ im Ton von Kolonialherren diskutierten. Ihnen gab Rosling zu bedenken, dass etwa Bangladesch und Ägypten innerhalb weniger Jahre die Kindersterblichkeit schneller senken konnten als Schweden es je geschafft hat.

„Wenn man das Weltbild von Menschen verändern will, braucht man mehr als die nackte Information.“, sagt Hans Rosling.

Also gründete er 2005 die "Gapminder Foundation" und entwickelte dort das typische Layout, wie Sie es auch im Video sehen können: „Moving bubbles“, farbige Kreise in unterschiedlichen Größen, die an zwei Raumachsen angeordnet sind und mit Hilfe von Animationen durch die Grafik bewegt werden können. Dadurch entsteht der anschauliche Eindruck von Entwicklung in der Zeit.

(Übrigens: Wie Sie dieses Layout auch in eigenen Präsentationen nützen können, erfahren Sie auf der Gapminder-Homepage oder hier.)

Natürlich sind diese Grafiken Verkürzungen der Realität. „Evidenzbasierte, brutale Vereinfachung“ nannte es einmal Hans Rosling. Aber diese Vereinfachung ist die perfekte Lösung für ein Problem: Denn eine ungekürzte Statistik kann die Zuhörer wohl den einen oder anderen Schritt näher an das verhandelte Thema bringen. Wenn es aber darum geht, tiefe Überzeugungen herzustellen oder effektive Entscheidungen zu ermöglichen, braucht es Kontext, Trends, Konsequenzen. Diese Zutaten werden dem Publikum mit den Gapminder-Grafiken serviert.

Veranschaulichung auf Schwedisch: Ikea-Boxen

Bei seiner letzten Präsentation ist Hans Rosling noch einen Schritt weiter gegangen. Er verwendete diesmal nicht nur seine Grafiken, sondern auch die gute, alte „analoge“ Visualisierung: Anschauungsmaterial. Auch das macht Spaß, sehen Sie selbst:

Fazit: Hans Rosling ist mit seiner Methode mittlerweile gerne gesehener Gast auf vielen verschiedenen Konferenzen dieser Welt, und doch: Niemand ist gezwungen, ihn sklavisch zu kopieren. Das würde ich Ihnen nicht raten. Was wir aber sehr wohl von ihm lernen können, ist die Überzeugung, dass Statistiken grundsätzlich nicht trocken sind, wenn es gelingt, ihre Aussage auf den Punkt zu bringen. Und wenn man den Versuch unternimmt, diese Aussage anschaulich darzustellen.

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