Der King dankt ab
Vergangenen Dienstag auf CNN: Larry King beginnt seine Sendung anders als sonst. „Ich möchte heute eine persönliche Nachricht mit meinen Zuschauern teilen. Ich habe den Leuten von CNN gesagt, dass ich ‚Larry King Live‘ im Herbst beenden möchte, und sie haben das großzügig akzeptiert.“
Mit Larry King geht einer der ganz Großen seines Faches.
Dieser Mann hat in seiner Laufbahn mehr als 40.000 Menschen zum Interview gebeten, darunter: alle US-Präsidenten seit Gerald Ford. Mikhail Gorbatschow. Martin Luther King. Bill Gates. Monica Lewinsky. Sir Paul McCartney. Michael Jackson. Michael Jacksons Hausarzt. Michael Jacksons Anwälte … Seine Sendungen wurden mit den bedeutendsten Medienpreisen Amerikas ausgezeichnet. Hollywood widmete ihm einen Stern auf dem Walk of Fame. Nicht umsonst nennen ihn seine Kollegen bei CNN gerne den „König des Mikrofons“.
Wenn also der König nun abdankt, dann – finde ich – ist es an der Zeit, seine Leistung und sein Handwerk zu würdigen.
Und das mit gutem Grund: Denn Larry King gilt für Zigtausende von Journalisten auf der ganzen Welt als Vorbild. Sein Stil hat über Jahrzehnte mehrere Generationen von Interviewern geprägt. Wenn Sie als Pressesprecher oder Öffentlichkeitsarbeiterin wissen möchten, wie Journalisten ticken, dann beschäftigen Sie sich mit ihm. Wenn Sie ihn kennen – kennen Sie ein bisschen auch alle anderen.
So kennt ihn das amerikanische Publikum: Mit seiner dicken, schwarzen Brille, mit seinen obligaten Hosenträgern über dem ebenso obligaten aufgekrempelten Hemd, mit der Krawatte und – der Signation mit einem alten silbernen Mikrofon, das den Eindruck vermittelt, als sei es aus der Steinzeit des Fernsehens übriggeblieben. So schaut er, immer leicht vornübergebeugt, seit 25 Jahren aus seinem Studio in die Wohnzimmer der Amerikaner und plaudert täglich 1 Stunde lang mit bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Der unscheinbare Star
Larry King hat sich über die Jahre nicht verändert. Doch dieser Wiedererkennungseffekt hatte Methode: Um mit seiner Sendung Erfolg zu haben, musste er sich selbst Prominenz verschaffen. Aber er durfte sich gleichzeitig nie vor seine Gäste drängen.
Er war der Star der Sendung. Seine Gesprächspartner die Stars des Interviews. Diese Gratwanderung hat Larry King über die Jahre perfekt gemeistert.
Sein Credo: „Ein Interviewer ist ein Interviewer, basta. Ich habe nie mit einem Präsidenten der Vereinigten Staaten gesprochen und dabei gedacht: Wow, das ist jetzt ein Staatsoberhaupt, also muss ich anders sein! – Ich bin immer noch Herr Otto Normalverbraucher. Ich frage mich: Was würde ein ganz normaler Junge von der Straße den französischen Präsidenten Chirac fragen, wenn er die Chance hätte, mit ihm zu sprechen?“
Der Punkt, auf den ich Sie hier aufmerksam machen möchte, ist der Blickwinkel des „gesunden Menschenverstandes“. Ein Journalist hat über Ihre Inhalte nicht mehr oder weniger Ahnung als der gewöhnliche Durchschnitt. Auf keinen Fall so viel wie Sie selbst. Larry King ging sogar so weit, dass er sich auf seine Interviews kaum vorbereitete: Die Konzentration auf vorformulierte Fragen hätte ihn vom Zuhören abgehalten und seine Neugier gebremst. Er zollte seinen Gesprächspartnern dadurch Respekt, dass er ihnen ein öffentliches Podium bot, auf dem sie ihn überraschen und aufklären konnten – und das Fernsehpublikum dankte es ihm.
Wenn Sie zum Interview gebeten sind und wissen möchten, welche Fragen Ihnen der Journalist stellen wird – denken Sie an Larry King. Stellen Sie sich selbst Fragen aus der Warte eines „ganz normalen Jungen von der Straße“. Ihre Zuseher werden es Ihnen danken.
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