Intomedia Blog: Alles zwischen Sendern und Empfängern
15.12.2011

Zuversicht und Handlungsfähigkeit vor der Kamera

von Stefan Schimmel

Heute möchte ich Sie auf einen kleinen, aber feinen Unterschied hinweisen: den Unterschied zwischen Lampenfieber und Auftrittsangst. Musikmediziner wie etwa Claudia Spahn, Leiterin des Freiburger Instituts für Musikermedizin, treffen diese Unterscheidung bewusst sehr sorgfältig.

Der Unterschied liegt in der Zuversicht und der Handlungsfähigkeit. Lampenfieber bremst vor dem Auftritt die Zuversicht, steigert aber während des Auftritts die Energie. Auftrittsangst bremst beides: Wer davon betroffen ist, ist vor der Kamera oder auf einer Bühne regelrecht „gelähmt“. In diesem Fall, und nur in diesem (!), ist eine eingehende psychologische Behandlung indiziert.

Der Unterschied ist deshalb wichtig, weil nicht wenige von Lampenfieber geplagte Menschen sich als „krank“ oder zumindest „irgendwie nicht in Ordnung“ empfinden. Dies ist aber, so Claudia Spahn, ein falsches Selbstbild, das der Zuversicht und damit der mentalen Einstellung schadet. Und überhaupt nicht notwendig ist.

Lesen Sie dazu hier ein Interview mit der Medizinerin.

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12.05.2011

Gar keine Angst vor dem Interview? - Vorsicht!

von Stefan Schimmel

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor einem großen Bottich, der mit Spinnen oder Schlangen gefüllt ist – aber Sie empfinden nichts. Keine Angst, kein Ekel, keine Abscheu. Ganz im Gegenteil: Sie verhalten sich wie ein neugieriges kleines Kind und greifen mit beiden Händen hinein, um mit den Tierchen zu spielen.

So etwas gibt es nicht, denken Sie? – Doch, gibt es: Allerdings hatte die amerikanische Dame, die dieses Verhalten tatsächlich an den Tag legt, einen Autounfall, bei dem sie so schwere Kopfverletzungen erlitt, dass eine bestimmte Region ihres Gehirns beschädigt wurde.

Sie hatte Glück und wurde wieder ganz gesund, allerdings mit einer Ausnahme: Seit ihrem Unfall greift sie bedenkenlos in Schlangenbottiche, sieht sich Horrorschocker an oder streift des Nachts durch die Schauplätze des Blair Witch Projekts: die unheimlichen, tiefen Wälder von Maryland. Sie empfindet keine Angst mehr, vor nichts und vor niemandem (Mehr zu diesem interessanten neurologischen Fall übrigens hier oder hier).

Kuriose Geschichte, die ich Ihnen aus einem besonderen Grund erzähle: In unseren Trainings erlebe ich immer wieder Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als GAR KEINE Angst zu empfinden. Keine Angst vor dem nächsten Interview, vor der nächsten Präsentation, dem nächsten Bewerbungsgespräch, der nächsten Prüfung. „Wenn ich GAR KEINE Angst empfinden würde, dann würde ich das Interview, die Präsentation, das Bewerbungsgespräch, die Prüfung, was auch immer ... sicher glänzend meistern.“

Wenn etwas schiefgeht, wird gerne ausschließlich die Angst dafür verantwortlich gemacht.

Um diesen Menschen zu helfen, erzähle ich ihnen gerne von dieser Fallstudie aus Amerika. Die zeigt nämlich, dass es gar nicht hilfreich ist, vor nichts eine Angst zu haben. Denn damit fehlt auch jeglicher Schutzmechanismus, jegliche Fähigkeit, eine Gefahr zu erkennen und sich darauf einzustellen. „Es ist ein Wunder, dass die Dame noch am Leben ist.“, erzählen die Psychologen, die sich mit ihrem Fall beschäftigen. Klar, denn wenn Sie keine Angst vor dem Schlangenbottich haben, dann werden Sie auch keine Bedenken haben, hineinzugreifen – mit der Folge, dass Sie sich dabei verletzen.

Das bedeutet, übertragen auf Ihre Disziplin des öffentlichen Auftritts: Wenn Sie vor dem nächsten Interview gar keinen Respekt haben, werden Sie sich in einer Sicherheit wiegen, die trügerisch sein kann; Sie werden ohne Bedenken ins Studio gehen – und dann Gefahr laufen, dem Journalisten ins offene Messer zu rennen.

Keine Angst haben zu wollen, ist keine gute Idee. Die bessere Idee ist immer, die Angst zum Anlass zu nehmen, das Ereignis vernünftig einzuschätzen – und sich ausreichend darauf vorzubereiten.

12.04.2011

The King's Speech: Presenting with Confidence

von Adina Mornell

Mit einer Mobilisierung aller Kräfte reagieren erfolgreiche Menschen auf Momente des Lebens, in denen es „drauf ankommt“, ungewöhnliche Situationen optimal zu meistern. Die Gleichung ist einfach: ohne Aufregung, die oft mit Angst verwechselt oder vermengt wird, keine Spitzenleistung. Experten und Expertinnen verhalten sich dementsprechend. Sie praktizieren bewährte und eingeübte Vorbereitungs- und Bewältigungsstrategien. Sie können das Mehr an Energie für ihr Tun einsetzen. When the going gets rough, the tough get going. Sie sehen dabei souverän aus, obwohl ihr Herz auch klopft, ihr Blut pulst und ihre Gedanken fliegen. Sie tun, als würden sie cool bleiben, und Uneingeweihte trauen dem Schein.

„Mir fehlt die notwendige Begabung dafür“ sagen die meisten Menschen, wenn sie aufgefordert werden, eine Gesprächsrunde zu moderieren, ein neues Produkt zu präsentieren, oder eine Rede zu halten. Und wenn es kein Entrinnen gibt, verdrängen sie den bevorstehenden Termin, solange es geht. Kein Wunder, dass Angst ihr Gefühl vor einem öffentlichen Auftritt prägt. Statt neue Handlungsstrategien auszuprobieren, bleiben sie lieber bei ihrem Selbstbild. Es liegt in der menschlichen Natur, den Status quo bequemer zu finden, als unerforschtes Neuland zu betreten. Viele halten bewusst oder unbewusst an dem Glauben fest, dass sie die Aufgaben nicht meistern können. Sie leben mit ihren sich selbst bewahrheitenden Prophezeiungen. Das muss nicht so sein. Sie haben die Wahl.

Weder ein stotternder König noch Sie benötigen Jahre auf der Couch, um zu lernen, mit Körper, Gedanken, Verhalten und Emotionen gekonnt umzugehen. Die Wissenschaft macht Schluss mit der Tabuisierung. Mit praktischen Übungen und sofort umsetzbaren Handlungsstrategien lernen Sie, Ihre physiologische und mentale Aktivierung zu steuern und Stress-Impfung zu betreiben. Wenn Sie sich adäquat vorbereiten, agieren Sie selbstbewusster und überzeugen Ihr Gegenüber – noch bevor Sie selbst dahinterkommen, dass Sie es immer in sich hatten, majestätisch aufzutreten ... oder einfach Sie selbst zu bleiben, wenn alle Augen auf Sie gerichtet sind.

Übrigens:

Adina Mornell ist mit ihrem Training am 9. Mai live in unseren Studios zu erleben, Infos finden Sie hier, und zur Anmeldung geht's hier lang.

05.04.2011

Redeangst: Hollywoods wundervoller Beitrag zum Thema

von Stefan Schimmel

„Denken Sie sich das Mikrofon weg. Stellen Sie sich vor, Sie sprechen zu mir. Und jetzt sprechen Sie. Sprechen Sie zu mir als einem guten Freund.“

Letztes Wochenende habe ich endlich The King’s Speech gesehen, und ich muss sagen: Wenn Sie noch nicht dort waren, gehen Sie hin! Ich empfehle Ihnen den Film vor allem wegen dieser vier Sätze, die Geoffrey Rush (alias Lionel Logue) zu Colin Firth (König George VI.) sagt. Der Film spielt zwar vor 70 Jahren, aber diese vier Sätze sind – unter anderem – das Beste, was die moderne Psychologie zum Thema „Redeangst“ zu bieten hat.

Am 3. September 1939 hielt der englische König eine Radio-Ansprache, die in das ganze British Empire übertragen wurde. Dort lebten damals über 450 Millionen Menschen, was etwa einem Viertel der Weltbevölkerung entsprach. In der Ansprache sollte es darum gehen, die Menschen auf den Krieg einzustellen, der zwei Tage vorher begonnen hatte – ihnen Mut zu machen und Vertrauen zu geben in Erwartung harter Zeiten.

George VI. war ein Stotterer, und seine Voraussetzungen, diese Ansprache positiv zu bewältigen, waren nicht gut. Aber als er an diesem 3. September 1939 anfing, in sein Mikrofon zu sprechen, stand wirklich einiges auf dem Spiel, und ich möchte den Menschen kennenlernen, der in einem solchen Augenblick kein mulmiges Gefühl bekommt.

Genau deshalb haben mich diese vier Sätze des Sprachtherapeuten Lionel Logue so beeindruckt – weil sie von den Machern des Films verdammt gut erfunden sind. Weil sie eine Intervention darstellen, die gleichzeitig effektiv UND wertschätzend ist.

Innerlich "böse" durch "gut" ersetzen

Die Amerikaner nennen eine solche Intervention übrigens „magic if“. Das meint eine innere Vorstellung, die eine Bedrohung durch ein anderes Bild ersetzt, das Zutrauen erzeugt. Sie kennen sicher den landläufigen Tipp: Wenn man Lampenfieber hat, stelle man sich das Publikum in Unterhosen vor. Auch diese Vorstellung ersetzt eine Bedrohung durch ein anderes Bild. Aber dieses Bild lässt ein wesentliches Detail außer Acht: den Respekt vor dem Publikum.

Menschen, die Ihnen zuhören, nehmen nicht nur wahr, was Sie sagen, sondern auch: wie Sie es sagen. Wenn Sie Ihr Publikum innerlich abwerten, werden Sie anders zu ihm sprechen, als wenn Sie es innerlich aufwerten. Wenn Sie also vor einem Auftritt Angst empfinden sollten, lassen Sie die "Unterhosen" beiseite und sprechen Sie zu Ihrem Publikum wie zu einem guten Freund. Die Bedrohung wird für Sie schrumpfen. Und Ihr Publikum wird Ihnen dankbar sein.

Presenting with Confidence

Aber das ist nicht mein einziger Grund. Ich empfehle Ihnen den Film auch deshalb, weil er mit dem Thema „Redeangst“ ehrlich umgeht; weil er nicht vorgaukelt, man dürfe überhaupt keine Angst empfinden, um gute Auftritte zu absolvieren. Und weil er all jenen Menschen, die von Ängsten gepeinigt werden, Mut macht und zeigt, dass man sich überwinden und trotz widrigster Voraussetzungen ordentliche Reden halten kann.

Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unser Training zum Thema „Lampenfieber“ nach diesem Film zu benennen: „The King’s Speech – Presenting with Confidence“. Es ist für all jene gedacht, die sich in Präsentationen, Vorträgen, Interviews, Reden, oder sonst in wichtigen Gesprächen, mehr Souveränität wünschen. Um mit ihr besser auf ihr Publikum zu wirken.

11.06.2010

Leichtigkeit ist nicht leicht.

von Stefan Schimmel

An den Anfang der Leichtigkeit stellten die Götter den Schweiß.

Das hat sich letzte Woche wieder einmal eindrucksvoll gezeigt – bei der Präsentation des neuen iPhone 4 durch Steve Jobs, die vergangenen Montag in San Francisco stattfand (In ihrer ganzen Länge können Sie sie hier sehen). An dieser Präsentation konnte man sehen, dass ein guter Präsentator sich nicht nur am Abarbeiten einer Agenda zeigt, die er geplant und einstudiert hat. Ein guter Präsentator zeigt sich vor allem am Umgang mit unvorhergesehenen Pannen, die jederzeit auftreten können – sogar bei der besten Planung. Für uns alle sind solche Momente Augenblicke großer Spannung – wenn wir vor unserem Publikum stehen und plötzlich, aufgrund von Zwischenfällen, die wir nicht vorhersehen können, Gefahr laufen, uns bis auf die Knochen zu blamieren.

Was war geschehen? – Jobs war gerade dabei, eine Neuentwicklung des Displays zu demonstrieren, und wollte dazu auf einem Vorführgerät die Startseite der New York Times laden, da passierte es: Der Ladevorgang dauerte auffallend lang und stockte dann ganz. Die Seite konnte nicht geladen werden, und das vor den Augen der mehr als 5.000 anwesenden Software-Entwickler, Journalisten und Blogger aus aller Welt.

Nun hatte Jobs innerhalb weniger Sekunden zwei Probleme zu lösen. Erstens: Er konnte seine Demonstration nicht so durchführen wie gedacht. Wenn man die Präsentationen von Steve Jobs kennt, weiß man, dass sie zu einem guten Teil gerade davon leben, dass die präsentierten Geräte und Applikationen auch live in Betrieb genommen werden. So „erwacht“ vor den Augen des Publikums die tote Materie „zum Leben“. Als Höhepunkt der Präsentation plante Jobs, mit dem iPhone ein Live-Video-Telefongespräch zu führen – dafür brauchte er unbedingt das Netz. Seiner Show drohte also ein großer Verlust.

Und zweitens: Er musste vom iPhone den Verdacht fernhalten, dass es doch nicht ganz so funktionstüchtig und „genial“ wäre, wie Jobs in seinen Präsentationen niemals müde wird zu behaupten. Also stand seine Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Solche Momente sind auch für das Publikum Augenblicke großer Spannung – denn jeder im Raum weiß, dass der Präsentator jetzt gleichsam „nackt“ auf der Bühne steht. Die innere Frage, die es sich stellt, ist jetzt nicht mehr nur: Wie geht die Geschichte aus?, sondern auch: Wie rettet sich der Mensch auf dem Podium?

Die Rettung von Steve Jobs hätte nicht besser ausfallen können; er verhielt sich wie nach einem Leitfaden aus dem Lehrbuch:

1. Man verschaffe sich eine Verschnaufpause.

Jobs kommentierte anfangs sein Problem und gewann dadurch Zeit, sich innerlich zu sammeln: „Die Geschwindigkeit des Netzes ist immer schwer vorherzusagen … aber heute ist es wirklich sehr langsam.“ Damit lenkte er gleichzeitig den Verdacht von seinem Gerät auf äußere Umstände – die Leistungsfähigkeit des Netzes.


2. Man suche einen Lösungsweg oder biete eine Alternative an.

Jobs wandte sich ans Publikum und sagte: „ Sie könnten mir helfen, indem Sie aus Ihren eigenen Netzwerken aussteigen.“ – Bingo! Das Gelächter im Raum zeigte, dass er mitten ins Schwarze getroffen hatte. Denn im Publikum befanden sich tatsächlich nicht wenige Journalisten mit aufgeklappten Laptops, die Informationen der Präsentation aktuell ins Netz stellten. Und also in ihre mobilen Netze eingeloggt waren. – Jobs entschuldigte sich für den Mangel, brach den Ladevorgang der Website ab und zeigte anstatt dessen Fotos, die kein Netz benötigten und denselben Zweck erfüllten wie die Titelseite der New York Times – sie erschienen gestochen scharf auf der Leinwand und bewiesen damit die Leistungsfähigkeit des Displays des neuen iPhone.

Jetzt hatte er nicht nur die akute Gefahr bereinigt, sondern konnte mit dem neuen „Angebot“ auch noch spielen. Bei der Demonstration des nächsten Features durfte natürlich der Hinweis nicht fehlen, dass es „dafür kein Netz braucht, und dass diese Demo also sicher funktionieren wird.“ – Lacher im Publikum.


3. Man suche die Ursachen und stelle Regeln auf.

Wenige Minuten später: Das Programm der Präsentation sah vor, dass von den Entwicklern neue Applikationen für das iPhone vorgestellt werden sollten – für Jobs eine willkommene Möglichkeit, sich hinter die Kulissen zurückzuziehen und das Problem zu klären. Nachdem der letzte Entwickler fertiggesprochen hatte, kam Jobs wieder auf die Bühne und verkündete die Ursache des Problems: Im Saal gebe es tatsächlich über 500 Personen, die im Augenblick im Netz eingeloggt seien. Das führe dazu, dass es überlastet sei und einige Demonstrationen des iPhone nicht funktionieren würden. – Er stellte dem Publikum ein freundliches Ultimatum. Wenn man die Demonstrationen sehen wolle, seien die betreffenden Menschen jetzt gebeten, ihre Laptops zu schließen. Andernfalls werde er die Präsentation abbrechen. – Tatsächlich entwickelte sich einige Bewegung im Raum. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, setzte er seine Präsentation fort. Wenig später kam er zu einer neuen Demonstration, für die er das Netz brauchte – und siehe da, diesmal funktionierte der Ladevorgang reibungslos. – Großes Gelächter und Applaus im Raum.

Die Autorität des Steve Jobs, und damit des iPhones, war definitiv wieder hergestellt.

Leitfäden haben etwas Gutes – denn man kann sie im Notfall „abarbeiten“, wie es der Pilot eines Verkehrsflugzeugs mit seinen Checklisten tut. Aber die beste Checkliste ist wertlos, wenn man im entscheidenden Moment nicht die Geistesgegenwart besitzt, sie situationsgerecht anzuwenden. Und bei all dem Stress, den man gerade empfindet, auch noch spontan mit seinen Worten ins Schwarze zu treffen.

Ich erzähle Ihnen von Steve Jobs deshalb so ausführlich, weil ich Ihnen das Erfolgsprinzip dieses Menschen vor Augen führen möchte; es ist allgemein bekannt und heißt: Vorbereitung. Alles, was dieser Mann auf der Bühne tut und spricht, sieht leicht, souverän und spontan aus, aber gerade von Steve Jobs weiß man: Hinter all dieser Leichtigkeit steckt ein unermessliches Ausmaß an akribischer Vorbereitung und Proben. Das heißt: Er weiß in jedem Augenblick des Auftritts genau, was er spricht und tut.

Wir alle bewundern Spontaneität und Leichtigkeit, aber wir übersehen gerne, dass diese beiden Eigenschaften nur dann überhaupt möglich werden, wenn die Sicherheit eines genau vorbereiteten Ablaufs alle Worte und Handlungen begleitet. Nur dann sieht unser Auftritt leicht aus. Und nur dann ist im entscheidenden Augenblick unser Kopf frei und zur Geistesgegenwart befähigt.

Alle Pannen und Missgeschicke, die Ihnen theoretisch bei einer Präsentation passieren können, werden in Ihrem Präsentations-Leben irgendwann einmal auch praktisch geschehen. Dagegen ist niemand gefeit. Wohl aber sind wir alle verantwortlich und zuständig für das Netz an Sicherheit, das wir unter unsere Bühnenhandlungen spannen.

12.05.2010

Lampenfieber: In Zaum halten, nicht beseitigen

von Stefan Schimmel

Heute bin ich auf YouTube über einen wirklich guten Ratgeber gestolpert, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Der Mann heißt Bill Lampton und spricht darüber, wie man lernen kann, mit Lampenfieber umzugehen.

Was mir wirklich gut an ihm gefällt: Der Mann gibt sich nicht als Wunderheiler. Er verspricht nicht, dass Sie Ihr Lampenfieber von heute auf morgen wegzaubern können. Aber genau dadurch beweist er, dass ihm wirklich etwas daran liegt, dass Sie vor Ihrem Publikum Erfolg haben:

Ähnlicher Artikel: Wie Angst uns die Ausstrahlung nimmt – der Worry-Faktor

25.02.2010

Wie Angst uns die Ausstrahlung nimmt
Der Worry Faktor

von Stefan Schimmel

Stellen Sie sich vor, Sie hätten im Kopf eine geniale Idee. Ein wertvolles Produkt. Ein erfolgversprechendes Projekt.

Alles, was jetzt noch zu tun wäre: zu anderen Menschen zu sprechen, um sie für die Idee, das Produkt oder das Projekt zu gewinnen.

Und eigentlich könnte die Welt das reinste Paradies sein. Alles könnte wunderbar funktionieren – wenn da nur nicht das Publikum wäre.

Wenn da nur nicht diese Angst wäre vor dem Augenblick, da Sie Ihre Präsentation beginnen und das Gefühl haben, Sie würden von den erwartungsvollen Augen dieser Menschen regelrecht durchbohrt.

Wenn Ihnen diese Gedanken bekannt vorkommen, wissen Sie auch sehr genau, was der „Worry-Faktor“ ist. Dieses Wort bezeichnet unsere Angst davor, dass wir eine Situation, die wir als bedrohlich empfinden, möglicher Weise nicht bewältigen können.

Als die Wirtschaftskrise einsetzte, fand man heraus, dass dieses Gefühl Stress erzeugen kann, der krank macht. Lesen Sie dazu einen sehr interessanten Artikel in Newsweek.

Aber diese Angst ist nicht nur unangenehm, sie ist auch heimtückisch. Sie trifft nämlich immer genau ins Schwarze. Sie macht uns genau an den Punkten verletzbar, die für unsere Leistung ausschlaggebend sind.

Wenn Sie einen Pianisten fragen, wird er aus der Erfahrung seiner Konzerte berichten, dass die Angst bei ihm feuchte oder zitternde Hände verursacht. Aber genau die braucht er für den Anschlag der Tasten. Flötisten berichten über Trockenheit im Mund. Aber genau den brauchen sie für ihr Spiel. Organisten berichten über weiche Knie. Aber genau die brauchen sie zum Bedienen der Register.

Körperliche Symptome zeigen sich bei Musikern mit verlässlicher Regelmäßigkeit genau an den Körperteilen, die sie für ihre Leistung benötigen. Bei Präsentationen, Vorträgen, Reden, Interviews oder Diskussionen ist es nicht anders: die Angst trifft immer ins Schwarze.

Wir erzeugen auf unser Publikum dann die größte Wirkung, wenn wir ganz natürlich und „bei uns“ sind. Wenn wir aus der Quelle einer echten persönlichen Erfahrung oder Überzeugung sprechen.

Der „Worry-Faktor“ bewirkt aber, dass wir diesen persönlichen Erfahrungen oder Überzeugungen nicht mehr vertrauen. Wir haben das Gefühl, für unser Publikum nicht gut genug zu sein. Also wollen wir uns besser machen – und werfen damit genau jene Ressourcen über Bord, die unsere Ausstrahlung ermöglichen.

Wenn Sie eine Präsentation oder einen Vortrag oder ein Interview vorbereiten – dressieren Sie sich nicht selbst. Denken Sie nicht darüber nach, wie Sie sich vor Ihrem Publikum bewegen sollen, wo Sie effektvolle Pausen setzen können oder ob Sie eine Sprache verwenden sollen, die so hochgestochen ist, dass sie nicht zu Ihnen passt.

Denken Sie darüber nach, welche persönlichen Überzeugungen hinter Ihren Inhalten stehen.